Das haben wir schon seit Jahrzehnten so – das ändern wir nicht“, sagt Bürgermeisterin Maria Schultheis. Auf der Internetseite ihrer Gemeinde Neuhof wird der Holocaust „verharmlosend“ dargestellt, wie ein FR-Leser urteilt. Er hatte sich schon vor Monaten bei der Bürgermeisterin beschwert und sie aufgefordert, die Passagen zu korrigieren.
„Im Laufe des Jahres werden die noch verbliebenen jüdischen Bürger weggeführt“, steht etwa in der Gemeindechronik über das Jahr 1942 und die Ermordung der Juden im Nationalsozialismus. Diese Phrase nennt Moritz Neumann „eigenwillige Geschichtsdarstellung, wenn nicht gar Geschichtsklitterung“. Denn „Neuhofs jüdische Bürger wurden nicht einfach weggeführt, sondern mithilfe der deutschen Polizei in den Tod deportiert“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen mit Nachdruck.
Auch die Synagogen hätten kaum von alleine gebrannt, wie die Neuhofer Chronik nahelegt: „1938 brennt in der Kristallnacht die jüdische Synagoge in Neustadt aus.“ Tatsächlich zerstörte ein Mob von Nationalsozialisten in der Pogromnacht deutschlandweit mehr als 1400 jüdische Gebäude. In der Nacht starben mehr als 400 Menschen. Laut Forschungsgemeinschaft Alemmania Judaica hat die Neuhofer Synagoge in dieser Nacht übrigens nicht gebrannt; sie wurde aber geschändet und die Einrichtung zerstört. Die Neuhofer Chronik geht auf Gefallene, Vermisste und Bombenopfer ein, aber nicht auf das Schicksal der 48 jüdischen Bürger, die 1938 noch in dem Ort bei Fulda lebten.
Bürgermeisterin Maria Schultheis (CDU) will die Chronik dennoch nicht ändern. Sie habe sie von ihren Vorgängern übernommen und ihr Inhalt stünde genau so auch in Gemeindebüchern. Jüdische Mitbürger seien in Neuhof „hochgeehrt“. Die Stadt habe den jüdischen Friedhof saniert. „Wir haben alles getan, um unsere Geschichte aufzuarbeiten“, beteuert Schultheis. „Wir können nicht jedem Änderungswunsch eines Einzelnen nachkommen“, sagt sie. Und: „Wer aus Neuhof kommt, weiß das alles über die Geschichte der NS-Zeit.“
Schultheis’ Vorgänger im Amt war Martin Hohmann, der vor einigen Jahren aus der CDU-Bundestagsfraktion und der Partei ausgeschlossen wurde. Er hatte in einer als antisemitisch eingestuften Rede Juden mit dem Begriff „Tätervolk“ in Verbindung gebracht.

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