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23. Oktober 2014

Organspende: Fall Muhammet vor Gericht

 Von 
Muhammet Eren (r.) mit seinem Vater.  Foto: Privat

Am Freitag entscheidet das Landgericht Gießen, ob der zwei Jahre alte Muhammet auf die Warteliste für ein Spenderherz kommt. Damit endet ein Streit zwischen Eltern und der Uniklinik Gießen. Die Ärzte der Klinik lehnen es ab, den Kleinen wegen einer Behinderung auf die Liste zu setzen.

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Die im Zwischenvergleich verabredeten vier Wochen sind schon seit einigen Tagen vorüber. Bislang hat sich keine Klinik gefunden, die den schwer herzkranken kleinen Muhammet Eren Dönmez aufnehmen will. Am Freitag hat das Landgericht Gießen zu entscheiden, ob der Zweijährige auf die Warteliste für ein Spenderherz kommt. Der Junge liegt in der privatisierten Universitätsklinik Gießen. Er hatte bei einer Reanimation eine Hirnschädigung erlitten. Deshalb lehnen die Ärzte des Klinikums es ab, ihn auf die Liste zu setzen. Sie berufen sich dabei auf das Transplantationsgesetz und entsprechende Richtlinien.

Für den Anwalt des kleinen Muhammet Eren handelt es sich nicht um einen Rechtsstreit zwischen Uniklinik und seinem Mandanten. Es gehe ganz wesentlich um grundsätzliche Fragen, die der Gesetzgeber offenlasse, sagt Oliver Tolmein. Damit gewinne der Prozess über den Einzelfall hinaus an Bedeutung. „Bei Entscheidungen über die Aufnahme in die Warteliste geht es um den Zugang zur Transplantationsmedizin.“

„Keine Diskriminierung von Behinderten“

Die Hirnschädigung des Zweijährige ändert in den Augen seines Anwalts nichts daran, dass er Anspruch auf einen Wartelistenplatz für ein Herz hat. Das Grundgesetz und die Behindertenrechtskonvention sagten klar und deutlich, dass Menschen wegen ihrer Behinderung nicht diskriminiert werden dürften, argumentiert Tolmein.

Auch könne nicht bewiesen werden, dass die Überlebenschancen des Kindes im Fall einer Transplantation schlecht sind. Vielmehr sei klar: „Ohne Transplantation stirbt Muhammet Eren bald, mit hat er eine realistische Chance.“ Die Frage, nach welchen Kriterien Organe zu verteilen sind, habe der Gesetzgeber unzureichend geregelt. Selbst die Zuständigkeit bei einem Rechtsstreit sei nicht eindeutig. Im Fall Muhammet habe sich das Landgericht Gießen für zuständig erklärt. In München habe kürzlich das Verwaltungsgericht eine Transplantationsklage entschieden.

Tolmein kritisiert zudem, dass die Bundesärztekammer die Regeln für die Verteilung der Organe festlegt. „Diese elementare Entscheidung betrifft die Grundrechte, die kann man bei aller medizinischen Kompetenz nicht einem privaten, nicht rechtsfähigen Verein überlassen.“ Er verweist auf die Schweiz. Dort habe der Gesetzgeber selbst die Kriterien für die Verteilung von Organen festgelegt. Wie es dem Kind gesundheitlich geht, war gestern nicht zu erfahren. Auf seiner Facebook-Seite Muhammet Eren Için El Ele sind Fotos zu sehen, die den Kleinen im Krankenhaus zeigen. Knapp 95 000-mal wurde sie bislang besucht.

Herzstillstand einen Tag vor Abreise

Am 31. März war der Junge über die Empfehlung eines Arztes nach Gießen gekommen. In der Türkei hatten seine Eltern öffentlichkeitswirksam Spenden für die Operation gesammelt. Einen Tag vor der Abreise erlitt er einen Herzstillstand. Trotz erfolgreicher Wiederbelebung wurde das Gehirn durch Sauerstoffmangel um rund 20 Prozent geschädigt. Nach früheren Angaben der Eltern hat er sich davon wieder gut erholt. Seit seiner Ankunft in Deutschland ist er an ein Kunstherz angeschlossen. Die teure, komplikationsanfällige Behandlung geht mit der Verabreichung starker Medikamente einher.

Die Uniklinik empfiehlt, die Kunstherz-Behandlung in Istanbul fortzusetzen. Die Bundesärztekammer habe die Entscheidung der Gießener Ärzte gegen eine Aufnahme auf die Warteliste bestätigt.

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