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12. September 2014

Organspende: Neue Chance für herzkranken Jungen

Kämpfen für ihren schwerkranken Sohn: Sennur (links) und Yavuz Dönmez im Landgericht Gießen.  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Im Fall des herzkranken Muhammet Eren Dönmez haben sich Eltern und Uni-Klinikum Gießen vor Gericht auf einen Vergleich geeinigt. Danach soll der fast Zweijährige von Medizinern anderer Kliniken untersucht werden, um zu entscheiden, ob er für eine Herztransplantation geeignet ist.

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Ganz still und manchmal mit Tränen in den Augen sitzen die Eltern des kranken Muhammet Eren im Saal 107 des Gießener Landgerichts. Hier wollen sie erreichen, dass ihr Sohn, der am Uni-Klinikum in Gießen behandelt wird, auf die Warteliste für ein Spenderherz kommt. Bei der Verhandlung am Freitag entscheiden die Richter am Ende zwar nicht darüber, zumindest vorerst nicht, doch die Eltern sehen sich einen kleinen Schritt weiter.

„Es ist erreicht worden, was sie lange gewollt haben", übersetzt der Anwalt für den Vater Yavuz Dönmez. Die Zeit dränge aber.

In den kommenden vier Wochen sollen Ärzte anderer Krankenhäuser die Möglichkeit bekommen, den bald zwei Jahre alten Muhammet Eren zu untersuchen - und zu übernehmen, wenn sie eine Transplantation befürworten. Das sieht die vor Gericht getroffene Einigung zwischen den klagenden Eltern und dem Uni-Klinikum vor. Bislang war allerdings kein anderes Haus bereit, das Kind auf die Warteliste zu setzen.

Debatte über Transplantationsgesetz

Seit dem Frühjahr wird Muhammet Eren in Gießen behandelt, die Technik hält ihn am Leben. Die Familie kam aus der Türkei in die mittelhessische Universitätsstadt, wo der Junge ein neues Herz bekommen sollte. Doch er erlitt einen Hirnschaden. Das und weitere Risiken sind es, die aus Sicht der Gießener Ärzte eine Transplantation laut den Gesetzen unmöglich machen.

Im Gerichtssaal sitzen Unterstützer der Familie und auch mehrere Journalisten und Kamerateams, denn der Fall hat eine Debatte über das Transplantationsgesetz ausgelöst, über Patientenrechte und darüber, ob die Regeln Behinderte benachteiligen.

Muhammet Eren werde von den Richtlinien und deren Auslegung benachteiligt, argumentiert einer der Anwälte der Eltern, Oliver Tolmein. Alexander Busam vom „Zentrum selbstbestimmt Leben“ in Gießen meint, dass die Richtlinien behinderte Menschen diskriminierten.

Für den zweijährigen Muhammet Eren besteht laut Auskunft der Ärzte keine Hoffnung mehr.  Foto: Privat

Der Mainzer Medizinethiker Norbert W. Paul sagte dagegen: „Nein, tun sie nicht. Auch bei dem Gießener Fall geht es nicht um die Frage von Behinderung, sondern einzig und allein um die Prognose für die weitere Gesundheit.“

Hermann Reichenspurner, Sachverständiger für Herztransplantationen in der Ständigen Kommission Organtransplantation, sagt: „Es ist nachvollziehbar, dass die Eltern in Gießen kämpfen. Nichtsdestotrotz müssen wir Mediziner bei den Kriterien bleiben, die das Gesetz uns vorgibt und die wir für Transplantationen erarbeitet haben.“

Und der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, betont: „Reine medizinische Fragen stehen bei Wartelisten-Entscheidungen nicht alleine an. Es gibt Raum für Interpretationen. Diese Interpretationen sind aus Patientensicht zu weit. Hier muss der Gesetzgeber endlich für Rechtsschutz sorgen.“ Außerdem müsse geklärt werden, welches Gericht bei strittigen Wartelisten-Entscheidungen zuständig sei.

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Nach der Gerichtsverhandlung am Freitag zeigen Uni-Klinikum und die Anwälte der Eltern Einigkeit. Man wolle trotz unterschiedlicher Auffassungen in dem Fall nun an einem Strang ziehen. Doch wenn in vier Wochen kein anderes Krankenhaus gefunden ist, geht der Rechtsstreit weiter. (dpa)

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