Nach der umstrittenen Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe, die der erzkonservativen Priesterbrüderschaft Pius X. angehören, befürchten nun viele Gläubige in Hessen einen Rechtsruck in der katholischen Kirche. Sorgen bereitet den Katholiken neben der Leugnung des Holocaust durch Bischof Richard Williamson, auch die kircheninternen Folgen, die die Begnadigung mit sich bringt.
Bernd H. Göhrig, Geschäftsführer der Initiative "Kirche von unten", äußert sich ebenso kritisch über die Entscheidung: "Wir halten es für einen falschen Schritt. Denn die Pius-Brüderschaft ist ja kein Verfechter der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils."
Dabei geht es um die Erklärung "Nostra Aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils, welche von der Pius-Bruderschaft nicht beachtet wird. Die aus dem Jahre 1965 stammende Erklärung befasst sich mit der Beziehung zwischen der katholischen Kirche und nicht-christlichen Religionen. Sie verwirft unter anderem die Ansicht der Allgemeinschuld der Juden am Tode Christi.
"Wir wissen im Moment nicht, welche Konsequenzen dies haben wird", so Göhrig weiter. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine Aufweichung des bisherigen Verhältnisses zu den Traditionalisten in Gemeinden, die sehr stark vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt sind, heftigen Widerspruch provozieren wird." Gerade erst habe er mit einer Frau aus dem Odenwald gesprochen, die ihm erzählt habe, dass sie das alles nicht glauben wollte.
Nach Auffassung Göhrigs habe der Papst aufgrund politischer Naivität die Folgen seiner Entscheidung nicht richtig eingeschätzt, als einen Leugner der Shoah rehablilitierte. Auf die Frage, ob die Kirche nun mit einer Austrittsflut rechnen müsse sagt Göhrig: "Immer wenn Rom etwas sagt, treten Menschen aus der Kirche aus. Ich denke, dass einige Leute dies zum Anlass nehmen werden. Den größeren Schaden sehe ich aber in der Wirkung, die die Rehabilitation der vier Bischöfe innerhalb der Kirche entwickeln wird."
Peter S. aus der Nähe von Mainz teilt diese Sorge. Für ihn war nach der Erklärung des Papstes der Rechtsruck in der Kirchenpolitik nicht länger vertretbar. Deshalb trat er am vergangenen Montag aus der Kriche aus.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.