kalaydo.de Anzeigen

Gäfgen-Prozess: Peinliche Fragen im Fall Daschner

Die Aussagen sind widersprüchlich. Waren die Folterdrohungen des Ermittlers gegen den Kindsmörder Gäfgen gedeckt oder nicht. Jetzt beschäftigt sich der Landtag mit dem Geschehen. SPD und Grüne wollen Antworten.

Norbert Nedela, der frühere hessischer LKA-Chef.
Norbert Nedela, der frühere hessischer LKA-Chef.
Foto: dpa

Droht dem früheren Innen-Staatssekretär Udo Corts (CDU) und dem ehemaligen Präsidenten des Landeskriminalamts, Norbert Nedela, „ein Disziplinarverfahren von Amts wegen“? Diese Frage soll Innenminister Boris Rhein (CDU) am kommenden Donnerstag im Innenausschuss des Landtags beantworten.

Am Freitag legten SPD und Grüne einen Fragenkatalog vor „betreffend Einleitung disziplinarrechtlicher Ermittlungen wegen falscher dienstlicher Erklärungen“. Hintergrund der heiklen Fragen sind die Folterdrohungen des früheren Frankfurter Polizeivizepräsidenten Wolfgang Daschner gegen den Kindsmörder Magnus Gäfgen im Jahr 2002.

Daschner hatte versucht, mit den Drohungen den Aufenthaltsort eines entführten Jungen herauszufinden, den Gäfgen in Wahrheit bereits ermordet hatte. Gäfgen verklagt das Land Hessen wegen der Gewaltdrohungen auf Schmerzensgeld. In dem Prozess vor dem Frankfurter Landgericht sagte Daschner vorige Woche aus, dass Nedela eingehend und Corts „in groben Zügen“ über sein Vorgehen gegen Gäfgen unterrichtet gewesen seien.

Corts und Nedela hatten aber dienstliche Erklärungen abgegeben, wonach sie nicht informiert waren. Das berichtete jedenfalls der damalige Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dem Innenausschuss im Jahre 2004. „Ich fühle mich als Mitglied des Innenausschusses vom ehemaligen Innenminister Bouffier hinters Licht geführt“, sagte der Grünen-Innenpolitiker Jürgen Frömmrich.

Seine SPD-Kollegin Nancy Faeser fügte hinzu: „Wir wollen vor allen Dingen die Widersprüche aufklären. Die sind eklatant. Und wir wollen dann auch die Konsequenzen hören.“ Linken-Fraktionschef Willi van Ooyen hofft zu erfahren, wer „die politische Verantwortung“ für Daschners Vorgehen trage. Seine Fraktion hat bisher aber keine eigenen Fragen eingereicht.

Zwar sind sowohl Corts als auch Nedela inzwischen aus ihren Ämtern ausgeschieden. Das schützt sie aber nicht vor Disziplinarverfahren, die auch gegen Ruhestandsbeamte möglich sind.

Udo Corts schweigt

Corts, der zeitweise Wissenschaftsminister und Frankfurter CDU-Vorsitzender war, hatte sich 2008 aus der Politik zurückgezogen und war in den Vorstand der Deutschen Vermögensberatung AG gewechselt. Nedela wurde vom früheren Innenminister Bouffier 2004 zum Landespolizeipräsidenten gemacht und von Bouffiers Nachfolger Boris Rhein im vergangenen November wegen „Differenzen in Fragen der Führung der hessischen Polizei“ in den Ruhestand versetzt.

Nedela war für die FR nicht zu erreichen. Corts hatte der FR am Donnerstag über eine Sprecherin ausrichten lassen, er nehme nicht zu laufenden Verfahren Stellung.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hatte nach Daschners Aussage erklärt, dass sie keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen Corts und Nedela aufnehme – wegen Verjährung. SPD und Grüne verlangen nun auch Auskunft darüber, welche Straftatbestände in Betracht gekommen wären und wann sie jeweils verjährt waren.

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  25 | 3 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".