kalaydo.de Anzeigen

Kommunalparlamente: Piraten auf Schlingerkurs

Mal mit den Grünen, mal mit den Linken, mal mit Freien Wählern oder der FDP: Die Piratenpartei sorgt wegen ihrer Auswahl von Bündnispartnern in hessischen Kommunalparlamenten für Ärger - auch in den eigenen Reihen.

        

Wahlslogans und Handeln unterscheiden sich bisweilen.
Wahlslogans und Handeln unterscheiden sich bisweilen.
Foto: Alex Kraus

Jörg Dillmann, Fraktionschef der linksalternativen Fraktion Uffbasse Darmstadt, ist sauer auf die Piraten. Seine Wählergemeinschaft, die nach der jüngsten Kommunalwahl viertstärkste Kraft im Stadtparlament ist, hoffte bei ihrer Suche nach Bündnispartnern auf die junge Partei, die sich Bürgerrechte, Netzpolitik und Transparenz auf die Fahnen geschrieben hat. Doch sie wurde bitter enttäuscht, weil die Piraten Listenverbindungen mit der FDP und der unabhängigen Wählergemeinschaft Uwiga einging.

Auch in anderen Kommunalparlamenten Hessens, in denen die Piraten nach der jüngsten Kommunalwahl erstmals vertreten sind, sorgt die Wahl ihrer Bündnispartner für Ärger. Kritiker – auch aus den eigene Reihen – werfen den Piraten in diesem Punkt einen uneinheitlichen Kurs vor: In Wiesbaden bilden sie eine gemeinsame Fraktion mit den Linken, im Landkreis Darmstadt-Dieburg mit den Freien Wählern und in Frankfurt mit ÖkoLinx/Antirassistische Liste sowie der Europaliste für Frankfurt.

In Darmstadt wollen die Piraten nichts mit den Linken zu tun haben – und in Wiesbaden werden sie für die Zusammenarbeit mit ihnen beschimpft. Auf der Internetseite der Piratenpartei in der Landeshauptstadt hinterlassen Nutzer wütende Kommentare wie: „Mit Gegnern der Meinungsfreiheit darf eine Freiheitspartei nicht zusammenarbeiten!“

Dabei ist dieser Zusammenschluss eher ein Zweckbündnis: CDU und SPD hatten mit ihrer Mehrheit die Geschäftsordnung geändert und festgelegt, dass erst ab drei Stadtverordneten eine Wählergruppe den Fraktionsstatus erhält. Die Piraten hatten nur zwei Sitze erzielt und wären alleine in keinem Ausschuss vertreten gewesen.

Das grundsätzliche Problem mit den Piraten: Sie sind eine Partei ohne Vollprogramm, zudem verweigern sie sich dem klassischen Links/Rechts-Schema und wollen stattdessen eine, je nach Themen, sachbezogene Politik verfolgen – das alles macht sie grundsätzlich für jeden Bündnispartner offen.

„Wir, die Linke und die Piraten haben uns getroffen und überlegt, wie und ob wir zusammenarbeiten können“, berichtet der Darmstädter Uffbasse-Chef Dillmann. Die Beteiligten seien übereingekommen, sich wegen der Besetzung von Ausschüssen und Kommissionen auszutauschen, um auch als Kleinfraktionen Einfluss nehmen zu können.

Doch in der konstituierenden Sitzung des Parlaments ging die Piratenpartei dann eine Listenverbindung mit der FDP ein und wählte deren Kandidaten in den ehrenamtlichen Magistrat – an einen Platz, der nach den Stimmverhältnissen eigentlich der Linksfraktion zugestanden hätte. Das alles sei „ohne irgendwelche Ansage“ erfolgt, so Dillmann.

Bei der Wahl zur Verbandsversammlung der Nahverkehrsorganisation Dadina hätte eine letzte zu vergebene Stelle zwischen der unabhängigen Wählergemeinschaft Uwiga und der Linken gelost werden müssen. Die Piraten ließen auch in diesem Gremium nicht die Linke zum Zuge kommen. Sie gingen ein Bündnis mit Uwiga ein, um selbst an den Posten zu kommen. Dillmann ist enttäuscht: „Gerade die Piraten habe ich wegen ihrer Forderungen nach mehr Transparenz und Offenheit anders eingeschätzt.“

Peter Löwenstein, Vizevorsitzender des Piraten-Kreisverbands Darmstadt-Dieburg, verteidigt das Verhalten seiner Parteifreunde. Die Stadtverordneten hätten viele Gespräche mit den Fraktionen im Stadtparlament geführt. Es gebe „Absprachen mit allen demokratischen Parteien, die mit uns themenorientierte Politik realisieren wollen und denen wir selbst das auch in sachlicher gemeinsamer Arbeit zutrauen“.

Die Piraten in Stadt und Kreis wollen laut Löwenstein keine „Dagegenpartei“ sein, sondern Politik in der Opposition aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen. „Unser Ziel war somit auch die Besetzung der Gremien.“

Autor:  Frank Schuster
Datum:  11 | 5 | 2011
Kommentare:  23
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".