Unsere Woche hat sechs Tage", steht auf einem Schild im Fenster der Stadtteilbibliothek Sachsenhausen. Es könnte sein, dass die Zahl sechs demnächst durch eine Sieben ersetzt werden muss. Denn FDP und CDU wollen in der kommenden Woche einen Entwurf zur Änderung des Hessischen Feiertagsgesetzes in den Landtag einbringen - und der sieht vor, dass öffentliche Büchereien sowie Videotheken an Sonn- und Feiertagen von 13 Uhr an öffnen dürfen.
Ginge es nach Tina Rehm, könnte die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Pläne gleich wieder einpacken. "Sonntags soll Ruhe sein", sagt die Frankfurterin, die am Donnerstagmittag vor der Stadtteilbibliothek Sachsenhausen steht.
Die Freiberuflerin ist regelmäßige Nutzerin der Zweigstelle der Stadtbücherei Frankfurt. Das Argument, dass nun auch sonntags Berufstätige genügend Zeit für die Büchersuche hätten, will die junge Frau, die auch verkaufsoffene Sonntage ablehnt, nicht gelten lassen: "Das kann man sich schon einrichten." Anders sieht das eine 70-jährige Übersetzerin: "Für Berufstätige ist das eine tolle Sache", sagt sie.
Ausnahmen für hohe christliche Feiertage
Nach den Plänen der Landesregierung sollen hohe christliche Feiertage wie Karfreitag oder Weihnachten von der Gesetzesänderung ausgenommen sein. Überdies wollen FDP und CDU die Möglichkeit prüfen, den Feiertagsbetrieb von Auto-Waschanlagen auf alle geschlossenen Anlagen an Tankstellen auszuweiten. "Damit gehen wir einen weiteren Schritt zur Befreiung von restriktiven Regelungen und setzen ein Anliegen vieler Bürger um", sagt der Vizevorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag, Wolfgang Greilich.
Bei Videotheken und Autowaschanlagen dürfte die Regelung auf wenige Widerstände stoßen. Bei Bibliotheken sieht das jedoch anders aus. Sie sind meist in öffentlicher Hand, und die Kommunen mussten in den vergangenen Jahren sparen.
Der Berufsverband Information Bibliothek, der Personalverband aller Beschäftigten in Büchereien, lehnt denn auch die Pläne ab. Er befürchtet, dass bei Sonntagsarbeit auf nicht qualifizierte Kräfte zurückgegriffen wird. "Möglich wäre das nur dann, wenn zusätzliche Personalstellen geschaffen und die Budgets der Bibliotheken deutlich erhöht würden. In den vergangenen Jahren ging die Entwicklung jedoch in die entgegengesetzte Richtung: Es wurde gespart, Personal reduziert und Stadtteilbibliotheken geschlossen", heißt es in einer Stellungnahme.

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