kalaydo.de Anzeigen

PoetrySlam: "Deppen decken Deppen auf"

Der Sound-Poet Dirk Hülstrunk liebt die Wiederholung. Und die Wiederholung der Wiederholung. Und die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Von Alicia Lindhoff

Die klassische Lesung ist Dirk Hülstrunks Sache nicht. Aber das Glas Wasser kommt schon gut.
Die klassische Lesung ist Dirk Hülstrunks Sache nicht. Aber das Glas Wasser kommt schon gut.
Foto: FR/Andreas Arnold

Dirk Hülstrunk liebt die Wiederholung. Und die Wiederholung der Wiederholung. Und die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Und so könnte man beliebig lange fortfahren und der monotone Singsang, der dabei im Kopf entstünde, käme einem Stück des Klangkünstlers schon sehr nahe.

Hülstrunk liebt außerdem das Einfache. "Ein Gedicht kann bei mir aus zwei verschiedenenWorten bestehen", sagt er. Der Text "Deppen" ist da schon ungewöhnlich ausufernd, denn er enthält drei davon: "Deppen decken Deppen auf".

Zunächst jedoch wiederholt Hülstrunk unablässig das Wort "Deppen", bis es nicht mehr wie Sprache klingt, sondern wie der Ton eines ungewöhnlichen Percussioninstruments. Mit dem Loop, einem Gerät, mit dem man Gesprochenes aufnehmen und danach in Endlosschleife wieder abspielen kann, kreiert er aus dem "Deppen"-Gemurmel seinen eigenen Soundteppich, den er mit immer neuen Schichten aus Gesprochenem, Geschrienem oder Geflüsterten überlagert. Am Ende fällt es schwer zu glauben, dass das alles von dem einen Mann kommt, der da vorne mit Schiebermütze und Wollpulli auf der Bühne steht.

Die auf diese Weise entstehenden Klangkonstrukte über Dummheit, Deppen oder die Schrecken der Lohnarbeit dröhnen durch die Große Aula der Otto-Hahn-Schule und scheinen die lauschenden Zwölftklässler zum Nachdenken zu bringen. Sie haben massenhaft Fragen an den Sound-Poeten. Ein Mädchen fragt mit ungläubiger Stimme, wie Hülstrunk "darauf kam, sowas zu machen". Da erzählt er, wie er schon mit 14 Jahren zu schreiben begann: "Wer Langeweile hat oder sich alleine fühlt, macht eben solche Sachen."

Prima latent strukturelle Satire

"Todlangweilig" aber fand der Frankfurter von jeher die klassische Lesung: "Da hockt einer hinter seinem Glas Wasser und liest mit monotoner Stimme irgendeine Geschichte vor." So stolperte Hülstrunk in die Poetry-Slam-Szene, die seine Liebe zur Literatur mit dem Interesse an der Bühnenperformance verband.

Die Diskussion mit den Schülern reicht dann von der Frage nach seinem Schulabschluss ("gerade so Abitur") bis zum ernsten Vorschlag, Hülstrunk solle sich doch bei "Das Supertalent" bewerben. Es scheint, als habe der Künstler sein Ziel erreicht, "auch Jugendliche zu begeistern, die sonst keinen Zugang zur Literatur finden." Welch kreative Ader er da in so manchem freigelegt hat, zeigt sich auch zum Schluss, als er die Schüler noch bittet, ihm ihr persönliches Feedback auf einem Zettel zu notieren. Jemand schreibt da: "Fulminant - prima latent strukturelle Satire."

Autor:  Alicia Lindhoff
Datum:  23 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus der Region

Anzeige

 
Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Das Frankfurter Prinzenpaar Marcus I. und Ingrid II.
Frankfurter Fastnacht 
        

In den Clubs könnte die Schwester  auffallen.
Fasching in Mainz 
Rednerschule: Karl Oertl bringt Fastnachtern bei, wie man eine Büttenrede hält. In der Bütt: Patrick Fiederer
Fassenacht in Frankfurt 

Anzeige

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
        

Rechnet mit einer Stichwahl: Ursula Fechter.
FAG-Kandidatin Fechter 
Das zentrale Themenplakat der Piraten (für ganzes Bild bitte klicken).
Piraten in Frankfurt 
OB-Bewerber Oliver Maria Schmitt setzt sich für ein nichtraucherfreies Frankfurt ein.
OB-Wahl Frankfurt 
        

Ganz großes grünes Kino: OB-Kandidatin  Heilig und der Berliner Fraktionsvorsitzende  Trittin in der Harmonie.
OB-Wahlkampf bei den Grünen 
Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Frankfurter OB-Wahlkampf im Internet 
Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Top Stellenangebote
Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Fotostrecke 1. Derpart Familien-Reise-Tag
Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.