Mit einer waghalsigen Aktion ist am Samstag dem algerischen Abschiebegefangenen Lyes B. die Flucht aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankfurt I gelungen. Von dem Mann fehlte auch am Montag noch jede Spur.
Dem 26-Jährigen gelang es, am Ende einer Freistunde im Innenhof unbemerkt auf das fast sieben Meter hohe Dach zu klettern. Ob er dabei ein Baugerüst benutzt hat, ist unklar. Die Preungesheimer Haftanstalt wird derzeit renoviert. Vom Dach aus entkam er ersten Ermittlungen zufolge vermutlich mit einem Sprung über mehrere Drahtrollen auf einen Erdhaufen, der zu der Baustelle gehört. Da das Dach mit messerscharfem Sicherheitsdraht gesichert ist, verletzte sich der Algerier schwer.
Wie das Justizministerium am Montag in Wiesbaden mitteilte, belegen Blutspuren auf dem Fluchtweg, dass er sich geschnitten hat. Auch beim Sprung vom bis zu sieben Meter hohen Dach könnte er sich verletzt haben. Diese Verletzungen habe Lyes B. aber "offensichtlich in Kauf genommen", so Minsteriumssprecherin Dagmar Döhring. Ob den Algerier die Angst vor der Abschiebung ins Heimatland, starker Freiheitsdrang oder andere Motive zur Flucht verleiteten, konnte der Leiter der JVA Frankfurt I, Frank Lob, nicht sagen. Das Motiv lasse sich erst feststellen, wenn Lyes B. wieder verhaftet worden sei.
Premiere in der JVA
Derzeit werde ermittelt, ob, und wenn ja wie die Flucht des Mannes hätte verhindert werden können. Einzelheiten zu aktuellen Ermittlungen wollte er nicht nennen. Seinen Angaben zufolge ist die Flucht der erste Ausbruch eines Häftlings aus der Justizvollzugsanstalt. Lyes B. war laut Lob Ende Mai in Gießen festgenommen worden und seit dem 2. Juni in der sogenannten Transportabteilung in Frankfurt untergebracht. Am 24. Juni hätte er vom Flughafen aus nach Algeriern abgeschoben werden sollen.
Nach Angaben des Ministeriums gilt der Mann nicht als gefährlich, er habe keine Straftat begangen, sondern vor allem gegen ausländerrechtliche Bestimmungen verstoßen. Er sei "kein klassischer Krimineller", sagte Lob. Die Polizei hatte noch am Samstag eine großangelegte Fahndung mit einem Hubschrauber eingeleitet. Sie warnte Autofahrer, Anhalter mitzunehmen.
Seit 2000 sind in Hessen 46 Häftlinge ausgebrochen. In den 90er Jahren waren es noch deutlich mehr. Die meisten Gefangenen, die ausbrechen wollen, nutzen Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte oder Transporte zur Flucht.

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