Im Streit um den Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge richtet sich die Marburger Polizei auf einen Großeinsatz ein. In den vergangenen Tagen haben unbekannte Täter mehr als 40 Häuser in der gesamten Innenstadt mit Parolen wie "Fight Homophobie" und "Stoppt den Kongress" beschmiert.
"Das traf nicht nur evangelikale Einrichtungen, sondern auch private Häuser", sagt Polizeisprecher Martin Ahlich. Die Polizei rechne mit Ausschreitungen. "Wir haben Angst, dass Teilnehmer bedroht und belästigt werden", sagte Dietmar Seehuber vom Vorstand der veranstaltenden Akademie für Psychotherapie und Seelsorge gestern bei der Vorstellung des Kongresses, der am kommenden Mittwoch beginnt.
Die veranstaltende Akademie für Psychotherapie und Seelsorge versteht sich als konfessionsübergreifende Gesprächsplattform für christliche Therapeuten und Seelsorger. Sie hat 550 Mitglieder und wird dem evangelikalen Spektrum zugerechnet.
Zu dem Kongress "Identität" werden 1000 Teilnehmer erwartet. Es ist bereits der dritte Kongress dieser Art in Marburg. Auch bei den früheren Tagungen waren die strittigen Referenten Markus Hoffmann und Christl Ruth Vonholdt dabei. Dagegen gab es jedoch keine Proteste.
Dass so viel Hass in der Debatte stecke, habe die Veranstalter überrascht. Der Kongress steht seit Wochen im Kreuzfeuer der Kritik, weil drei der 120 Referenten vorgeworfen wird, Homosexuelle "heilen" zu wollen. Die hessischen Grünen schrieben daraufhin von einem "Homophobie-Kongress". Studenten- und Homosexuellenverbände aus ganz Deutschland meldeten Kritik an.
Das Bündnis "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" hat eine Demonstration für Donnerstag angemeldet. Das Bündnis wendet sich jedoch nicht nur gegen die drei Referenten: "Wir wollen den Kongress in seiner Gesamtheit verhindern und ihn als Symbol der rechtskonservativen Meinungsmache bekämpfen", schreiben sie.
Dem Bündnis haben sich mehr als 50 Gruppen angeschlossen, die überwiegend aus dem Umfeld der Hochschule stammen. Darunter ist aber auch der DGB Marburg-Biedenkopf. Der Schwulen- und Lesbenverband hingegen hat sich darauf beschränkt, eine Ausladung der strittigen Referenten zu fordern. Darauf ließ sich der Veranstalter nicht ein.
"Auf dem Kongress kommt das Thema Homosexualität nicht vor", erklärt Akademie-Vorsitzender Martin Grabe: "Auch die Referenten werden zu diesem Thema nichts sagen." Ein Runder Tisch zwischen den Veranstaltern und dem Schwulen- und Lesbenverband ging ohne Einigung auseinander. Unterdessen eskaliert der Streit um den Kongress auch kommunalpolitisch.
Jeden Respekt verloren
Der Marburger CDU-Fraktionsvorsitzende Philipp Stompfe hält den grünen Bürgermeister Franz Kahle in seinem Amt für "nicht mehr tragbar", weil er jeden Respekt vor der christlichen Kultur und den christlichen Gemeinden verloren habe. Der Grüne soll die Unterzeichner einer Erklärung "gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände" öffentlich als Hassprediger bezeichnet haben.
Dies bestreitet Kahle. Allerdings sagte er im FR-Gespräch, dass die auch von Stompfe unterzeichnete Erklärung "bodenlose Unverschämtheiten" enthalte, die man schwulen und lesbischen Menschen nicht zumuten müsse. So ist dort zu lesen, dass praktizierte Homosexualität ein erhebliches gesundheitliches Risiko berge.

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