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Praxensterben: Hausärzte gesucht

Noch sieht es in Hessen nicht so schlecht aus wie etwa im Osten der Republik. Doch auch hier hat das Praxensterben begonnen. Auf dem Land sind 46 Hausarztstellen unbesetzt. Von Jutta Rippegather

Die Arbeit als Landarzt soll attraktiver gemacht werden.
Die Arbeit als Landarzt soll attraktiver gemacht werden.
Foto: dpa

Das Schlimmste, sagt Martin Leimbeck, sei die Bürokratie: Stundenlang hocke er täglich am Schreibtisch - Zeit, in der er sich viel lieber um seine Patienten kümmern würde. "Ich hasse das. Ich bin Landarzt." Leimbeck liebt seinen Beruf, den er seit 24 Jahren in einer Zwei-Mann-Praxis in Braunfels im Lahn-Dill-Kreis ausübt. Wegen der Abwechselung, weil er hier so gut wie alles behandelt: von der Multiplen Sklerose bis hin zur Diabetes, von der Erbkrankheit bis zum Rheuma oder psychischen Leiden.

Die Studenten, die als Praktikanten zu ihm kommen, seien oft überrascht, dass er nicht nur Husten und Schnupfen heile, sagt der 53-Jährige, der auch Vize-Präsident der Landesärztekammer ist.


Foto: FR/Galanty

Dem Fach Allgemeinmedizin, so seine Erfahrung, fehle die Anerkennung. Es müsse in der Ausbildung mehr Gewicht erhalten. So lautet denn auch seine zweite Forderung an die Politik - neben der nach Entbürokratisierung. Es sei zwar "toll", dass Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) den Landärztemangel als Problem erkannt habe. Doch einfachere Zugänge zum Studium würden nicht weiter helfen. "Das dauert zu lang."

Noch sieht es in Hessen nicht so schlecht aus wie etwa im Osten der Republik. Doch auch hier hat nach Angaben des Sprechers der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) das Praxensterben begonnen. "46 Hausarztstellen sind nicht besetzt", sagt Karl Roth. Besonders stark betroffen seien die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Fulda und Rheingau-Taunus. Doch auch der Ballungsraum bleibe mittelfristig nicht verschont, ergänzt Jan Hillegardt, Direktor beim hessischen Landkreistag.

"Zum Teil merkt man das schon jetzt." Im Herbst hatten der Landkreistag und die KV sich vertraglich dazu verpflichtet, Konzepte gegen den drohenden Hausärztemangel zu entwickeln. Im Gespräch sind Anreize - etwa, dass junge Ärzte besser informiert, finanziell unterstützt oder ihnen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Es geht aber auch darum, dass Niedergelassene, Kliniken und Kommunen besser miteinander kooperieren.

Einig sind sich alle drei, Landarzt Leimbeck, KV-Sprecher Roth und Landkreis-Direktor Hillegardt: Die sogenannte Bedarfsplanung konterkariere sämtliche Bemühungen. Gemeint ist die bundesweite Richtline, nach der die Zahl der Kassenarztsitze für den jeweiligen Landkreis beziehungsweise die kreisfreien Städte bestimmt wird. "Wir brauchen eine kleinräumige Struktur", fordert Roth.

Nur dies könne diesen Trend stoppen: Praxen auf dem Land schließen, der Sitz wird von einem Arzt gekauft, der dann im nächsten größeren Ort seine Praxis eröffnet. Die Folge: In Städten herrscht Überversorgung, während die Bewohner auf dem Land weite Wege zum Doktor haben.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  8 | 4 | 2010
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