Sie sind die Stars der Veranstaltung: die jungen Schauspieler des People’s Theater aus Dietzenbach, die die Gäste der Preisverleihung des bundesweiten Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ im Frankfurter Römer zum Mitmachen bewegen. Auf Handzeichen klatscht, trampelt und johlt der Saal. Die kleine Kostprobe soll die Arbeitsweise der Initiative veranschaulichen, die mit Theaterszenen gegen Gewalt und Mobbing im Alltag angeht. Schüler, Eltern, Lehrer und Mitarbeiter von Firmen erleben in den Spielszenen Mechanismen von Ausgrenzung oder Gruppenzwang. Die Zuschauer werden bei der Lösung der Konflikte mit einbezogen.
Die Organisation des People’s Theater wird von drei bis vier Festangestellten übernommen. 12 bis 15 junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren verbringen ein ehrenamtliches Jahr bei der Initiative, leben und arbeiten gemeinsam und gehen mit ihrer Show für Toleranz in Schulen, Jugendzentren und Kindergärten. Der Verein wird von Vertretern aus Kommunen, Behörden, Polizei, und Justiz, von Pädagogen und Finanzexperten unterstützt.
Sie lesen Märchen im Kindergarten vor, besuchen einsame Menschen im Altenheim oder machen Krankenbesuche: „Soziale Jungs multikuli“ in Frankfurt, ein Projekt des Paritätischen Bildungswerks, in dem sich 40 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren im Rahmen eines multikulturellen Freiwilligendienstes 200 Stunden pro Jahr in sozialen Einrichtungen oder gemeinnützigen Vereinen engagieren. Das Projekt richtet sich ausschließlich an männliche Jugendliche, deren Interesse am sozialen Bereich geweckt werden soll. Die Jungen werden während ihres Freiwilligendienstes von ehrenamtlichen Mentoren begleitet, mit denen sie Erfahrungen austauschen und sich über Themen wie Ausgrenzung, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit oder Geschlechterrollen Gedanken machen. (res)
Die erste Auflage der „Geschichten aus dem Offenbacher Migrantenkoffer“ ist schon vergriffen. Jetzt ist ein Nachdruck erschienen, in dem alle Interessenten nachlesen können, wie es sich anfühlt, in zwei Welten verwurzelt zu sein. 80 Menschen zwischen 10 und 80 Jahren erzählen in dem Buch, wie Offenbach ihre Heimatstadt wurde. Die Beiträge entstanden während eines Schreibwettbewerbs im Jahr 2008, bei dem die Teilnehmer in Sprachkursen und Schreibwerkstätten ihr Ausdrucksvermögen und sprachliches Können schulten. Das Buch enthält Prosa, Lyrik und Hintergrundgeschichten, oft versöhnlich heiter oder selbstironisch. Durch Lesungen vor Publikum trug es zu einem Perspektivenwechsel, gegenseitigen Verständnis und tolerantem Miteinander bei, lobt die Jury. (res)
Schwule in osteuropäischen Ländern sind oft Opfer von Diskriminierung. Der Frankfurter Volleyball Verein (FVV) unterstützt sie seit vier Jahren mit dem Projekt „Outreach Osteuropa“. Die Mitarbeiter organisieren sportliche Begegnungen, die zur Aufklärung und Integration von Homosexuellen beitragen. Ein Schwerpunkt sind die XMAS-Turniere in Frankfurt, mehrtägige Veranstaltungen, an denen mehr als 1000 Sportler aus verschiedenen Ländern Europas teilnehmen. Mit seinem „Outreach Osteuropa“ Programm sammelt der Verein Spenden, um osteuropäischen Sportlern die Teilnahme am XMAS-Turnier in Frankfurt zu ermöglichen. Der FVV wurde 1985 als Volleyballverein für schwule Männer gegründet, die ihrem Sport ohne Vorurteile und Diskriminierungen nachgehen wollten. (res)
Der Hessische Präventionspreis wurde am Montag in Wiesbaden an vier Projekte verliehen. Neben dem People’s Theater zeichnete die Jury ein Begegnungsprojekt im Kreis Kassel, Bus- und Bahnbegleiter in Offenbach sowie Gewaltprävention in Schulen aus.
Beim bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ wurden am Montag im Frankfurter Römer die Preisträger 2009 geehrt. Zehn Projekte erhielten eine Auszeichnung und Geldpreise. res
Seit seiner Gründung im Jahr 2001 erhält das People’s Theater beinahe jedes Jahr eine Auszeichnung. Am Montag gab es gleich zwei. Während einige Mitglieder der Gruppe im Römer die Urkunden entgegen nahmen, erhielten andere zeitgleich in Wiesbaden den 7. Hessischen Integrationspreis, der an ein Kooperationsprojekt des People’s Theater und der Stadt Offenbach verliehen wurde. 400 Projekte hatten sich für den Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ beworben, 80 wurden ausgezeichnet, zehn erhielten im Römer Geldpreise zwischen 1500 und 5000 Euro.
Der Preis, erklärte Gregor Rosenthal, Geschäftsführer des Bündnisses, solle zeigen, wie wichtig Vorbilder seien. Es gebe viele gute Beispiele, sich für Demokratie einzusetzen. „Die besten sind hier im Saal“, sagte er. Das bundesweite „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ wurde vor zehn Jahren von den Bundesministerien des Innern und der Justiz gegründet – in einer Zeit, in der ein wieder erstarkender Rechtsextremismus mit Brandanschlägen für Schlagzeilen in Deutschland sorgte.
Preise gingen an Integrationsprojekte, Sportvereine, Schulen und Initiativen gegen Rechtsextremismus. Das breite Spektrum zeigte, wie vielfältig sich Bürger für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Sprache, Kultur und Lebensweise einsetzen.

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