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Primacanta-Kinder: Singen mit Schneeball-Effekt

Klatschen, stampfen, singen - den 1300 Kindern von 23 Grundschulen reicht auf dem Frankfurter Römerberg ein simpler Einsatz. Deutschlands größter Kinderchor begeistert im Massenkonzert. Die Anmeldung für das Primacanta-Projekt für die dritte Staffel läuft. Von Anita Strecker

Klatschen, stampfen, singen - den  1300 Kindern von 23 Grundschulen  reicht auf dem Römerberg ein simpler Einsatz.
Klatschen, stampfen, singen - den 1300 Kindern von 23 Grundschulen reicht auf dem Römerberg ein simpler Einsatz.
Foto: Christoph Boeckheler

Irgendwann gibt es auf der Bühne vor der Frankfurter Nikolaikirche kein Halten mehr, müssen die Offiziellen einfach mehr tun, als übers ganze Gesicht zu strahlen. Vor ihnen stehen rund 1300 Jungen und Mädchen aus 23 Grundschulen, alle mit weißen Baseballmützen und Primacanta-Schriftzug auf dem Kopf und singen aus voller Kehle ihr Begrüßungslied. Bürgermeisterin Jutta Ebeling wippt offensiv im Takt, Karin Heyl, Geschäftsführerin der Crespo Foundation stampft und klatscht im Rhythmus. "Das ist unser Gute-Laune-Termin."

Römerbergsingen der Primacanta-Kinder, die - ebenso wie ihre Lehrer - seit den Sommerferien, als zweite Staffel des Musik-Projekts von Musikhochschule und Crespo Foundation geschult werden. An diesem Montagmorgen zeigen sie als Deutschlands größter Kinderchor im Massenkonzert, was nach gut einem halben Jahr herausgekommen ist.

"Wir können besser singen als früher", versichern Aysu, Melissa und Hakan. Mit ihren Klassenkameraden von der Theobald-Ziegler-Schule,Christiane Kurrat von der Frankfurter Musikschule und Klassenlehrerin Mirella Daansen sind sie zum Römerberg gezogen und jetzt doch ziemlich aufgeregt.

Aber erstens sind sie damit nicht allein und haben zweitens gar keine Zeit dazu. Felix Koch, Projektleiter von Primacanta an der Musikhochschule, ruft per Mikro zum Aufwärm-Singen mit "dem Bäcker, der in seiner Rakete zum Weltraum fährt". Aufstehen, Tür auf - "fffft" - Tür zu - die ausgestreckten Arme klatschen mit den Handflächen zusammen. Und mit der Rakete düst die Stimme gen Weltall, imitiert Eisbröckchen an der Außenhaut oder das tiefe Lachen des grünen Männchens vom grünen Planeten.

Die Kinder folgen den Einsätzen, als würden sie täglich zu tausendst singen. Sie haben ja auch ordentlich geprobt: "Das Römerbergsingen war ein tolles Ziel", sagt Dorothea Auel-Raue, die mit ihren Viertklässlern aus der Ebelsfeldschule in Praunheim gekommen ist. Sie ist vom Unterrichtskonzept begeistert, das durch Bewegung und Singen metrisch, tonal und rhythmisch schult und die Stimme bildet. "Die Kinder singen in ihrer natürlichen Lage und nicht in der gequetschten Brustlage, die sie von Popstars imitieren." Und sie können jetzt höher singen als früher, schwärmen Alin und Bea aus der Georg-Kerschensteiner Schule.

Das Massenkonzert macht nicht nur Spaß, sondern ist auch optimale Werbung für die dritte Staffel, für die gerade die Anmeldung läuft. Über 40 Lehrer sind schon angemeldet für das zweijährige Programm mit regelmäßigen Fortbildungen. Zwei Jahre läuft das Projekt noch, das die Crespo Foundation jährlich mit 150.000 bis 200.000 Euro finanziert. "Wir haben dann 72 von 78 Grundschulen in Frankfurt erreicht", sagt Crespo-Geschäftsführerin Karin Heyl. Alle Primacanta-Lehrer können das Konzept an Kollegen weitergeben, Primacanta-Lehrer haben schon ein Netzwerk aufgebaut und organisieren eigenständig Fortbildungen. "Das ist die Idee, damit das Projekt nachhaltig wirkt".

Karin Heyl ist sich mit Thomas Rietschel, Präsident der Musikhochschule aber einig, dass Primacanta weitergehen soll - "über die Grundschule hinaus, möglicherweise über Stadtteilchöre oder in Kindertagesstätten".

Autor:  Anita Strecker
Datum:  11 | 5 | 2010
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