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Privatisierung von Mietverhältnissen: Richtig böse

In der Siedlung Westhausen wächst der Protest gegen den geplanten Reihenhausverkauf. Von Jutta Ochs

Jeder hat die gleiche braune Haustür in Westhausen.
Jeder hat die gleiche braune Haustür in Westhausen.
Foto: FR/Kraus

Es bimmelt hell und schrill durch die langen, heckenbegenzten Vor- und Nutzgärten, über die schmalen Reihenhauswege und die flachen Dächer hinweg. Der Verkaufswagen, ein silberner Kleintransporter, ist in die Geschwister-Scholl-Straße eingefahren. Es gibt Nudeln, Hausmacher Wurst, Eier, Kuchen. Die Bewohner der von Ernst May entworfenen Siedlung in Westhausen kommen aus ihren nahezu identischen zweigeschossigen Häusern, schließen ihre einheitlich dunkelbraunen, massiven Holztüren ab und treffen sich auf der Gass´. Wenn sie da nicht eh schon gestanden haben.

Es gibt ja so viel miteinander zu bereden. Die Nachricht, dass die Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte ein "Mieterprivatisierungsprogramm" auflegt - das heißt: den Wohnraum an die Mieter veräußern will -, wird ganz offenbar unter der anwesenden älteren Bewohnerschaft als schrecklicher Affront empfunden. "Ich wohne seit 33 Jahren da und jetzt wollen sie uns los werden", sagt eine Dame im roten Sportanzug. Sie ist "richtig böse".

Mieterprivatisierung

Die Nassauische Heimstätte will 327 zweistöckige Reihen-Mietshäuser von je rund 84 Quadratmeter mit großem Garten an Mieter und Angehörige veräußern. 144 dieser Häuser sind aber noch von zwei Parteien bewohnt. Diese Mieter sind besonders besorgt.

ABG Frankfurt Holding veräußert Wohnungen in May-Siedlungen an Mieter in Ginnheim, Oberrad, Niederrad und am Bornheimer Hang. Der Erfolg der Privatisierung wird als mäßig beschrieben.

Die Deutsche Annington veräußert Wohnungen an Mieter in Griesheim, Sachsenhausen, in der Nordweststadt, im Ostend und in Eschersheim. Sprecherin Katja Weisker nennt die Resonanz "zufriedenstellend". (ox)

Eine Nachbarin, die einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt hinter sich hat, fühlt sich regelrecht "überwältigt " von den Sensationen in der Siedlung. Und ein Herr mit Hut ist tief verärgert, will aber "öffentlich" nicht mehr sagen. Dass der Leitende Geschäftsführer Bernhard Spiller den Mietern ausdrücklich versichert hat, dass "keiner kaufen und keiner ausziehen muss", flößt offenbar kein Vertrauen ein.

"Es wird ja viel gesagt, man kann niemandem mehr trauen", sagen die erregten Mieter. An diesem Vormittag zumindest findet sich kein Siedler aus Westhausen, der das Vorhaben begrüßt. Dabei hat die Nassauische Heimstätte, wie Sprecher Jens Duffner versichert, auch einige sehr positive Rückmeldungen erhalten.

Was aber soll denn daran positiv sein, fragen die älteren Mieter, wenn die Nassauische Heim erst jahrelang kaum etwas investiert habe in die Häuser und jetzt das Problem auf künftige Mieter-Eigentümer abwälze? "Wir haben doch immer alles selbst gemacht." Neue Küchen gekauft, Decken renoviert, sogar selbst die Heizung eingebaut. "Die sollen erst mal sanieren, dann können sie vom Verkaufen reden."

Achtung, Denkmalschutz!

"Von den Preisen müssten die mal reden", findet Brigitte Schimmels. Sie ist in der Siedlung aufgewachsen, ihre Mutter wohnt hier, ihr erwachsener Sohn und ihre Tochter ebenso. Das "Verkaufsthema" wabere ja bereits seit Jahren durch Westhausen. Konkret müsste es mal werden.

Das wird wohl noch dauern. Die Gesellschaft ist noch "in Prüfungen". Eine Schwierigkeit: Die Siedlung Westhausen, errichtet Anfang der 30er Jahre, steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Charakteristika wie die kleinen, ins Quadratische gehenden Fenster dürfen beispielsweise nicht angetastet werden. Sowas müsste im Kaufvertrag festgehalten werden und beeinflusst auch den Preis.

Es gibt ja Vorbilder für Mieterprivatisierungen, auch für May-Siedlungen. Unter anderem in Ginnheim oder in Niederrad. Da wollen die Westhausen-Mieter sich umhören, eine Initiative hat sich schon gebildet. Demnächst trifft man sich nicht mehr am Verkaufswagen, sondern mietet das Gemeindezentrum.

Autor:  Jutta Ochs
Datum:  13 | 3 | 2010
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