"Möchten Sie hier leben?" Tosun Ayse blickt herausfordernd. Fast ihr ganzes Leben hat die 35-Jährige in der Niederräder Hochhaussiedlung im Mainfeld gewohnt. Die Zufriedenheit der ersten Jahre ist längst verflogen. Ayse zeichnet ein düsteres Bild: Ihre Kinder haben Spritzen von Drogensüchtigen im Treppenhaus gefunden, in den Aufzügen sei Vandalismus an der Tagesordnung, generell werde das Gebäude als Urinal zweckentfremdet.
Nachbarin Lilo Ackermann beschreibt ähnliche Erlebnisse. Sie wohnt seit 34 Jahren im Mainfeld, nur zwei Hausnummern weiter. "Früher hatte ich eine wunderschöne Wohnung und es gab Ansprechpartner. Es war Frieden", sagt Ackermann. Mittlerweile sei das anders. Die zwei Hausmeister seien überfordert, Fenster würden nicht repariert, das Wasser aus den Leitungen soll an manchen Tagen gelb gefärbt sein.
Im Fokus des von der Stadtplanung angestoßenen Forums stand zunächst nur das Zentrum Niederrads. Mittlerweile wurde das Konzept um die Öffnung zum Main, worunter das Mainfeld und die Uferstraße fällt, erweitert.
Der Zeitplan für die Planungswerkstatt ist begrenzt: Schon im März 2010 sollen erste Ergebnisse feststehen. Erste öffentliche Aktionen sind für August geplant. Am 22. und 29. August sind jeweils ab 17 Uhr Stadtteilspaziergänge geplant. Zudem werden den gesamten Monat über Fragebögen verteilt.
Beschreibungen wie die von Ackermann und Ayse sind im Mainfeld häufiger zu hören. Damit einher gehen Rufe nach Veränderung und Hoffen auf Besserung. Paradox erscheint da, dass die Idee des städtischen Wohnungskonzerns ABG Frankfurt Holding fast durchweg zu Protesten führte. Die von AGB-Chef Frank Junker Mitte April ersonnenen Pläne, die mit der Formulierung "Hochhäuser zur Seite legen" bekannt wurde, stießen auf Ablehnung.
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"In erster Linie stört die Art und Weise, wie die ABG diese Idee verbreitet hat", sagt Ralf Heider, SPD-Fraktionschef aus dem zuständigen Ortsbeirat 5. Die Anwohner erfuhren allesamt erst aus der Zeitung von der angedachten Variante. Sorgen vor plötzlichem Wohnungsverlust beflügelte das genauso wie Vermutungen, dass die ABG das Areal systematisch vernachlässigt habe, um die Lage am Main durch teurere Wohnungen profitabler zu nutzen.
ABG-Chef Junker hat in zwei öffentlichen Anhörungen die größten Unruheherde befriedet. Der Entscheidungsweg sei offen, frühestens in einigen Jahren würden Bagger anrücken, jeder Mieter werde eingebunden und im Falle des Rückbaus eine Ersatzwohnung bekommen.
Junkers Verweis auf die Planungswerkstatt ärgert Heider. Denn in der von Junker zuletzt oft als Konsensfinder herausgehobenen Einrichtung habe sich bislang überhaupt kein ABG-Vertreter blicken lassen. Im Gegenteil - die ABG habe sogar sämtliche Vertreter der Planungswerkstatt brüskiert. "Einen Tag nach unserem ersten Treffen am 23. April mussten wir aus der Zeitung erfahren, was die ABG plant", ärgert sich Heider.

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