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Projekt Rossmarkt: Klangteppich für die Kunst

Das Projekt Rossmarkt, bei dem Schüler den Auftrag für ein modernes Werk vergeben, geht in die letzte Runde. Von Alicia Lindhoff

Die Alltagsgeräusche auf dem Platz sollen zur Gestaltung inspirieren.
Die Alltagsgeräusche auf dem Platz sollen zur Gestaltung inspirieren.
Foto: Rolf Oeser

Passanten bleiben stehen. "Drehen die hier?", fragt einer. Hätte er genauer hingeschaut, wäre ihm aufgefallen, dass der Gruppe, die sich auf dem Rossmarkt versammelt hat, dazu nicht nur Kameras, sondern auch Schauspieler fehlen. An ein Filmteam erinnern die komplizierten Aufnahmegeräte, die der Musiker Marc Behrens mitten auf dem Platz aufgebaut hat. "Den Klang des Rossmarktes" will er damit einfangen.

Natascha, eine der Schülerinnen, die sich heute für den Workshop "Record Rossmarkt" entschieden hat, blickt sich verwirrt um. Was soll man hier aufnehmen. "Die Tauben sind ja nicht grade laut", scherzt die 18-Jährige. Bis sie die Kopfhörer auf die dunklen Haare setzt und erstaunt aufschreit.

Stöckelschuhe knallen

Die großen puscheligen Richtmikrofone, sie funktionieren wie eine akustische Lupe. Selbst die leiseste Komponente des Geräuschbreis, der den Platz erfüllt, wird unterscheidbar. Etwa das Gurren einer Taube. Vor allem aber interessieren Natascha und Fatana die Geräusche der Menschen: Das Knallen von Stöckelschuhen auf Asphalt, die "tausend komischen Sprachen", Bässe aus geöffneten Autofenstern und - etwas leiser - aus dem Untergrund: Im Club U60311 tanzen sie bis nachmittags zu hartem Techno.

Ab und zu kreuzen sich die Wege der "Record"-Gruppe mit denen anderer Teilnehmer. Sie befragen, mit Block und Stift bewaffnet, die Passanten.

Eine der jugendlichen MeinungsforscherInnen ist die 19-jährige Romy. "Wir fragen danach, warum die Leute hier sind, was ihnen auf dem Platz fehlt, was sie daran mögen", erklärt sie. Viele schätzten den Platz als Bindeglied: "Zum Einen zwischen verschiedenen Teilen Frankfurts: Innenstadt, Bahnhofs- und Bankenviertel." Durch die Präsenz des Commerzbanktowers zur einen, und der Katharinenkirche zur anderen Seite aber auch zwischen Historie und Moderne.

Sonst sei das Meinungsbild eher ernüchternd: "Die Leute haben kaum Bezug zum Rossmarkt, sie sehen ihn als Durchgangsstation." Immer wieder fielen die Worte "leer" und "verloren". Daraus schließt Romy, dass ein Kunstwerk, um den Platz aufzuwerten, "die Menschen auffordern muss, hinzugehen und sich damit zu beschäftigen. Und es müsste die Leute zusammenbringen."

Aufgabe reizt

Später, als sich die Gruppen wieder vereinen, um über die Ergebnisse ihrer Arbeit zu diskutieren und daraus Ideen abzuleiten für Entscheidung, die bald ansteht, ist Romy schon nicht mehr dabei.

Sie steckt grade mitten ihm Abitur und muss noch lernen. Das hat Priorität. Doch trotz Stress hat sie kaum gezögert, als sie über eine Lehrerin von "Rossmarkt³" erfuhr. "So eine Gelegenheit kommt schließlich nicht jeden Tag.", sagt sie. Welcher 19-Jährige kann schon von sich behaupten, ein Kunstwerk mitten in der eigenen Stadt ausgewählt zu haben?

Autor:  Alicia Lindhoff
Datum:  15 | 3 | 2010
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