Der Festakt hatte gerade begonnen, da war er auch schon zu Ende. Zumindest in der Form, wie ihn sich die Hochschulleitung vorgestellt hatte. Die Musiker hatten im Audimax der Fachhochschule Frankfurt gerade die ersten Takte auf dem Xylophon angestimmt, als ein Chor ganz anderer Art sich Gehör verschaffte.
Rund 300 Studenten drangen mit Spruchbändern in den Saal, forderten eine "freie Bildung" und skandierten "Eva, Eva". Gemeint war Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die als Rednerin zur 100-Jahr-Feier der FH angekündigt war.
Bei ihr wollten die aufgebrachten Studenten ihren Unmut über die Novellierung des Hessischen Hochschulgesetzes, das gerade im Landtag beraten wird, loswerden. Die Ministerin war jedoch gar nicht da. Sie hatte sich wegen Budget-Verhandlungen in Wiesbaden entschuldigen lassen.
Frust statt Feierlaune
Die Studenten besetzten den Audimax und das Rednerpult, zerzausten Blumengestecke und Dekorationen. "Zu feiern gibt es hier wenig", rief einer ins Mikro. Gekommen waren nicht nur Studenten der FH, sondern überwiegend auch der Goethe-Universität.
In der Jubiläumsfeier entlud sich der Frust der Studenten über die neuen Bachelor-Abschlüsse, vor allem aber über das neue Gesetz, das "die Hochschulen zu Ausbildungsfabriken" degradiere, der Wirtschaft, den Hochschulräten und den Präsidenten zu viel Einfluss zugestehe. Zu wenig Demokratie, zu wenig Mitbestimmung, zu viel Repression - unter diesen Stichworten fassten viele Protestierer ihre Kritik zusammen. "Statt die Freiheit der Forschung und Lehre zu garantieren, wird sie versteigert", kommentierte ein Student den Zwang der Hochschulen, Drittmittel aus der Wirtschaft einzuwerben.
Neuer Zeitdruck durch Bachelor
Verärgerung herrsche vor allem darüber, so die FH-Asta-Sprecher Marcel Hoppe und Alexandra Perner, dass die Kritik der Studenten von Wiesbaden nicht berücksichtigt werde. Auch an der FH Frankfurt leide die Mitbestimmung der Studenten, weil selbst zu studentischen Vollversammlungen Vorlesungen angesetzt würden. Schuld sei der Zeitdruck, den die neuen Bachelor-Abschlüsse ausgelöst hätten.
Die Protestierer ließen sich trotz mehrfacher Gesprächsangebote von FH-Präsident Detlev Buchholz nicht zum Abzug bewegen. Der Festakt fiel aus. Es gab erregte Debatten mit Gästen und Dozenten, die wütend den Saal verließen. Zum Schluss kam es gar zum Handgemenge zwischen einem Techniker und unerlaubt rauchenden Studenten. Buchholz äußerte Verständnis für die Studenten. Das Präsidium habe mit Protest gerechnet. "Ich hatte aber erwartet, dass der Dialog zivilisierter verläuft", bedauerte er. (alu)

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