Die Marburger Philipps-Universität ruft ihre 400 Professoren, 3500 Mitarbeiter und 21000 Studierenden zu einem "Marsch auf Wiesbaden" auf. Mit der Großdemonstration am 11. Mai wollen sie die von der hessischen Landesregierung geplanten Kürzungen bei den Hochschulen um 30 Millionen Euro pro Jahr verhindern. Das hat der Senat der Marburger Universität einstimmig beschlossen. "Für die älteste Universität Hessens bedeuten die Einsparungen eine massive Bedrohung des laufenden Lehr- und Forschungsbetriebs und eine Gefährdung ihrer Substanz", schreibt der Senat. Die Protestdemonstration ist für den 11. Mai geplant, weil an diesem Tag die Tagung der hessischen Hochschulleitungen in Wiesbaden stattfindet.
Siegfried Bien, Sprecher der liberal-konservativen Professorenliste, hofft, dass allein aus Marburg 10 000 Menschen nach Wiesbaden reisen: "Das ist keine Sache von ein paar Studenten", sagte der Medizinprofessor, der selbst bis dahin noch nie demonstriert hat: "Das ist eine andere Qualität, weil wir mit diesen Kürzungen praktisch keinen Spielraum mehr haben." Damit erklärt er sich auch die "beispiellose Solidarisierung" zwischen Studierenden und Professoren. Bien hofft nun, dass sich viele Lehrende aus den anderen Hochschulen, Schüler und Eltern dem Protest anschließen. Die Philipps-Universität hat für den 11. Mai einen "Dies Academicus" vorgesehen.
Die erste Demonstration gegen den geplanten Hochschulpakt wird der hessischen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann aber schon am Donnerstag in Marburg entgegenschlagen: Während die neue Marburger Uni-Präsidentin Katharina Krause feierlich in ihr Amt eingeführt und ihr Vorgänger Volker Nienhaus verabschiedet wird, wollen die Studierenden vor der Alten Universität protestieren. "Die chronische Unterfinanzierung hat zu katastrophalen Zuständen geführt", schreibt das Marburger Studierendenparlament in seiner Resolution. Statt die Grundfinanzierung der Hochschulen zu kürzen, fordern die Studierenden eine Steigerung der Bildungsausgaben um mindestens zehn Prozent.
Mehr als 300 Marburger Professoren - darunter sämtliche Dekane - haben sich bereits in einem gemeinsamen Brief an die Landtagsabgeordneten gewandt. Die Kürzung "bedeutet eine sehr ernsthafte Gefährdung von Lehre und Forschung", schreiben sie in ihrem Protestbrief. Dies sei besonders fatal, weil die Universitäten mit den doppelten Abiturjahrgängen einen zusätzlichen Ansturm bewältigen müssten. Marburg ist von den Kürzungen besonders betroffen, weil die Hochschule wegen ihrer besonders hohen Energiekosten, der maroden Altbauten und des Botanischen Gartens bereits ein Defizit von drei Millionen Euro hat. Deswegen hat das Präsidium bereits eine Stellenbesetzungssperre beschlossen.
Der Senat hat Uni-Präsidentin Krause ausdrücklich freigestellt, den Hochschulpakt abzulehnen. An der Wiesbadener Hochschule Rheinmain hat der Senat dies seinem Präsidium sogar empfohlen. Selbst bei einem rigiden Sparkurs sei die Einsparsumme nicht zu erreichen, erklärte das Gremium. In letzter Konsequenz drohe die Streichung eines Fachbereichs. An der Gießener Universität wurden die Sach- und Hilfskraftmittel bereits um zehn Prozent gekürzt.

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