"Bin ich jetzt hier der Arsch?", fragt der Mann auf dem Zeugensessel - und eindeutig verneinen möchte das niemand an diesem Montagmorgen im Kasseler Landgericht.
Der 32-Jährige hat den Angeklagten bei der Polizei angeschwärzt und einen schlimmen Vorwurf erhoben: Der Kraftfahrer habe ihn mit der Suche nach einem Killer für seine Ehefrau beauftragt. Vergeblich zwar, aber immerhin. Und weil die Anstiftung zu einer Straftat genauso hart bestraft werden kann wie die Tat selbst, drohen dem 63-Jährigen bis zu 15 Jahre Gefängnis - so viel wie für einen versuchten Mord.
Zeuge verweigert klare Aussage
Doch natürlich ist es nicht die Denunziation, die dem Hauptbelastungszeugen vor Gericht den allgemeinen Unmut einträgt. Es ist seine Weigerung - oder sein Unvermögen - sich an irgendetwas zu erinnern. "Keine Ahnung", verkündet der arbeitslose Maurer immer wieder. "Ich war damals auf Methadon." Und wenn das Geld reichte, auch noch auf Heroin.
Erst nachdem ihm mehrfach Ordnungsgeld, Erzwingungshaft oder gleich ein Strafverfahren wegen Falschaussage oder falscher Verdächtigung in Aussicht gestellt wird, kommt ihm widerwillig der eine oder andere Satz über die Lippen.
Irgendwie sei über die Tötung der Ehefrau gesprochen worden, und irgendwie habe er sich von dem Angeklagten beauftragt gefühlt, sagt er: "Ich weiß nicht, wie konkret es war." Auch aus dem Gespräch, das er irgendwann mit dem 63-Jährigen geführt und aufgezeichnet hatte, lässt sich das nicht recht entnehmen.
Angeklagter erzählt wortreich von gescheiterter Ehe
Der Angeklagte jedenfalls bestreitet die Vorwürfe vehement. So einsilbig sich der Zeuge präsentiert, so wortreich erzählt der 63-Jährige von seiner gescheiterten Ehe. Früher, da sei noch alles in Ordnung gewesen mit seiner Frau.
Doch dann habe sie sich den Zeugen Jehovas angeschlossen und ihn immer mehr vernachlässigt. "Zu ihrem Geburtstag habe ich ihr einen großen Strauß Rosen gebracht - und sie hat den einfach nur auf den Tisch gelegt und ist zur Versammlung der Zeugen Jehovas gegangen." Auch mit ihrem Sohn habe sie bis spät abends immer nur "diese Bücher" gelesen. "Wachtturm oder wie das heißt."
Mord? oder doch nur ein Navi?
Immer öfter sei es deshalb zum Streit und schließlich auch zur Trennung gekommen, erzählt der Mann. Mordpläne aber habe er bei allem Groll nie gehegt. Und es sei keineswegs ein Killer gewesen, den er bei dem 32-Jährigen bestellt habe. Sondern: ein Navigationsgerät. Also alles nur ein skurriles Missverständnis?
"Das könnte auch sein", sagt der vermeintliche Vermittler, der sich auf keine Aussage wirklich festlegen möchte. Unmöglich aber erscheint das nicht.
Der Prozess wird fortgesetzt.

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