"Wir wollen Menschen helfen, die sich eine Verringerung ihrer homoerotischen Gefühle wünschen", sagt Elke Pechmann, Sprecherin des von Christl Ruth Vonholdt geleiteten "Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft". Die umstrittenen Referenten beim geplanten Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg weisen die Vorwürfe des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes und der hessischen Grünen zurück.
Von Umpolung und Homophobie könne keine Rede sein: "In einer offenen Gesellschaft muss es doch möglich sein, über so etwas zu forschen." Zudem gehe es bei den Vorträgen nicht um Homosexualität, sondern um Identität. Auch der Veranstalter, die evangelikale Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, kritisiert die nach ihrer Überzeugung "wenig hilfreichen Diffamierungen".
Grüne und Homosexuelle fordern von Stadt und Universität Marburg, sich von den "pseudowissenschaftlichen Homo-Heilern und Umpolern" zu distanzieren, zu denen sie die Referenten Christl Ruth Vonholdt und Markus Hoffmann zählen. Vonholdts Institut ist ein Studienzentrum der evangelikalen Offensive Junger Christen mit Sitz im südhessischen Reichelsheim. Hoffmann hat eine Seelsorge-Initiative namens "Wüstenstrom" gegründet.
"Das Ziel, Homosexuelle zu heilen, ist diskriminierend"
Nach Überzeugung der grünen Landtagsabgeordneten Angela Dorn halten die Referenten Homosexualität für eine Krankheit, was beide jedoch bestreiten. Die Psychologin Dorn meint, die beiden "haben das Ziel, Homosexuelle zu heilen. Das ist diskriminierend."
Manfred Bruns, ehemaliger Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof und Sprecher des Schwulen- und Lesbenverbandes, bezeichnet die Therapieangebote von Wüstenstrom als "Umpolung". Er kritisiert vor allem, dass die Seelsorge-Initiative Ratsuchende fallenlasse, die ihre homosexuelle Orientierung nicht unterdrücken wollen oder können.
Das seien "erfundene" Vorwürfe, sagt Stefan Schmidt von Wüstenstrom. Schon in der Beratungsvereinbarung werde auf eine mögliche psychiatrische Betreuung hingewiesen. Zudem berate Wüstenstrom ergebnisoffen: "Wir unterstützen es nicht, homosexuelle Gefühle zu unterdrücken", schreibt die Initiative.
Gleichwohl bezeichnet Vonholdts Sprecherin Pechmann den Lebensstil vieler Homosexueller als "nicht gesund". Die Kinderärztin Vonholdt ist eine scharfe Gegnerin der eingetragenen Partnerschaft. Jugendliche bräuchten das alleinige Leitbild der heterosexuellen Ehe. Sie kritisiert Bücher, in denen es heißt: "Schwul sein ist nur eine andere Art zu lieben."
Grüne kündigen Widerstand gegen Kongress an
Unter dem Titel "Und das ist nicht gut so" polemisiert sie gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle: So benutzten Homosexuelle häufiger Dildos. "Hat es keinen Einfluss auf ein heranwachsendes Kind, wenn es das zu Hause findet?", fragt sie. Zudem behauptet sie, einiges spreche dafür, dass Homosexuelle Minderjährige häufiger sexuell belästigten als Heteros.
Die Grünen schreiben wegen solcher Äußerungen von einem "Homophobie-Kongress" und kündigen entschiedenen Widerstand an. Sollten die beiden Referenten auftreten, müsse zumindest ein "wirklicher Gegenpol" eingeladen werden, fordert Dorn. Bekennende Homosexuelle zählen nämlich nicht zu den Vortragenden.

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