Im Genehmigungsverfahren für den geplanten Block 6 des Kohlekraftwerks Staudinger hat es offenbar eine erhebliche Fehleinschätzung bei der Belastung des Mains mit Quecksilber gegeben. Das gab die Frankfurter Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) am Donnerstagabend in der Fragestunde des Frankfurter Stadtparlaments bekannt.
Zur Verblüffung vieler Stadtverordneter erklärte Rottmann, beim Erörterungstermin für die Kraftwerkspläne habe sich herausgestellt, dass die Belastung des Flusses mit dem giftigen Schwermetall Quecksilber durch den Neubau deutlich steigen würde - und zwar um etwa 50 Prozent.
Der Grund laut Rottmann: Die derzeitige Vorbelastung des Mainwassers mit Quecksilber sei von früheren Gutachtern "um den Faktor 23 bis 38 zu hoch angegeben worden".
Die Quelle für diese Einschätzung sei die Hessische Landesanstalt für Umwelt gewesen. Treffe dies aber zu, bedeute es im Umkehrschluss, dass der Kraftwerksausbau selbst um 50 Prozent mehr Quecksilber für den Main mit sich bringen werde.
Rottmann sagte, das Regierungspräsidium Darmstadt als zuständige Genehmigungsbehörde für den Ausbau des Kraftwerkes müsse jetzt "diese Sachverhalte aufklären". Es gelte, alle Belastungswerte für das Schwermetall neu zu überprüfen und zu berechnen: "Das ist ein ganz wesentlicher Faktor."
Auf die besorgte Nachfrage mehrerer Stadtverordneter zu den Folgen der falschen Zahlen urteilte Rottmann, die Auswirkungen der Kraftwerkserweiterung für die Umwelt ließen sich derzeit überhaupt nicht einschätzen.
Die Grünen im Römer gehen davon aus, dass die Grenzwerte, die in der Europäischen Wasserrichtlinie für Quecksilber vorgesehen sind, jetzt deutlich überschritten werden könnten. Die Anfrage an die Frankfurter Stadtregierung war von der umweltpolitischen Sprecherin der grünen Römer-Fraktion, Martina Feldmayer, eingebracht worden. (jg)

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