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01. November 2015

Quer-Denken-Kongress: Demo gegen Quer-Denken-Kongress

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Auch in Friedberg dabei: der rechte Autor Andreas Popp, hier auf einer Demo in Berlin.  Foto: Imago

In Friedberg demonstrieren fast 250 Personen gegen den „Quer-Denken-Kongress“. Der Kongress sei „ein gefährlicher Mix aus rechtsextremer Ideologie, klassischem Rechtspopulismus und weltfremden Verschwörungstheorien“.

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Gegen Nazis und Fremdenfeindlichkeit“ heißt es auf einem der Transparente. Vor der Friedberger Stadthalle stehen am Samstagmittag fast 250 Demonstranten. Mit Trillerpfeifen und Musik machen sie auf sich aufmerksam, außerdem sprechen Politiker von SPD, Grünen und Linken. Der Protest richtet sich gegen den „Quer-Denken-Kongress“, zu dem Michael Vogt am Wochenende nach Friedberg eingeladen hatte.

Dieser Kongress, so die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl in ihrem Statement, „ist ein gefährlicher Mix aus rechtsextremer Ideologie, klassischem Rechtspopulismus und weltfremden Verschwörungstheorien“. Wer solchen vermeintlichen Heilsbringern hinterherlaufe, habe sich „längst in die deutsch-völkische Parallelwelt begeben, die den deutschen Opfermythos zelebriert und den Hass gegen alles schürt, das nicht in das begrenzte Weltbild passt“.

„Hammerhart“, sei das, sagt ein Mann, der während der Demonstration in die Kongresshalle geht. „Mich als Nazi zu beschimpfen! Ich kriege mich gar nicht mehr ein.“ Aus Schleswig-Holstein ist er angereist, um sich „über die Eurosituation und die wirtschaftliche Situation“ zu informieren. Von der „Lügenpropaganda“ der normalen Presse fühlt er sich „manipuliert“. Deshalb informiere er sich lieber über Youtube-Videos und die Internetseite quer-denken.tv. Er wolle sich einfach nur unabhängig vom Mainstream informieren. Aber ein Nazi, nein, das sei er ganz bestimmt nicht. Unerhört sei das.

Verschiedene Unterströmungen

In der Tat wirkt der Kongress nicht auf den ersten Blick rechtsextrem. Die meisten Referenten sind zum Thema Psychologie und Medizin auf der Website aufgeführt. Es geht viel um Esoterik und alternative Heilmethoden. Thema sind aber auch Politik und Wirtschaft. „Man muss verstehen, dass die neue rechtsextreme Szene verschiedene Unterströmungen hat“, erläutert die Publizistin und Grünen-Mitbegründerin Jutta Ditfurth. Seit 2011 ist Ditfurth für die Wählervereinigung Ökolinx-Antirassistische Liste im Frankfurter Stadtparlament, 2014 hat sie als Erste eine Diskussion über die Montagsdemonstrationen von Pegida initiiert.

Wer sich dem „Quer-Denken-Kongress“ zuordne oder dort hingehe, müsse wissen was er tue, meint Ditfurth. Schließlich sei in den vergangenen Monaten schon viel Aufklärungsarbeit betrieben worden. Auch die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI), die zur Demonstration aufgerufen hatte, hatte sich im Vorfeld in sieben Vorträgen über Personen und Inhalte des Kongresses informiert. Sie spricht von „geistigen Brandstiftern“.

Kongressveranstalter Vogt wurde 2007 von der Universität Leipzig entlassen, wo er am Institut für Journalistik als Honorarprofessor tätig war. Ein wichtiger Grund dafür war ein geschichtsrevisionistischer Dokumentarfilm, den Vogt über Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß gedreht hatte. In die Kritik geriet er auch 2012, als er in einer Zeitschrift der Deutschen Burschenschaft die „Abschaffung des Parteienstaats“ und eine „revolutionäre Neuordnung“ forderte.

Kein Gespräch mit FR

Zu einem Gespräch mit der FR war Vogt nicht bereit. Auch bekamen Pressevertreter keinen Zugang zum Kongress. Nicht weniger umstritten sind andere Redner. Frank Hörmann etwa, der zum Thema Ökonomie sprach, der an der Universität Wien lehrt und in Österreich die Human Way Partei gegründet hat, sagte Anfang 2012 der Zeitung „Der Standard“, in der Partei seien alle willkommen, auch Nazis. Über Ökonomie sprach auf dem „Quer-Denken-Kongress“ auch Andreas Popp. Ihm wirft das globalisierungskritische Netzwerk Attac etwa vor, dass seine Kritik des Zinssystems der des „führenden Wirtschaftstheoretikers der NSDAP“, Gottfried Feder, ähnele. Seine Ideen verbreitet Popp über die von ihm gegründete Internetseite wissensmanufaktur.de.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Auch Politik-Diskutant Christoph Hörstel hat schon mit provokanten Thesen auf sich aufmerksam gemacht. Er fordert nicht nur den Ausstieg aus der „Betrugswährung Euro“, sondern spricht auch von einer „Unterdrückung der Bevölkerung aus politischen Gründen“ und ruft zum konspirativem Widerstand auf. Eine bessere Politik habe nur eine Chance mit einer Verfassung, die den Namen verdiene, heißt es etwa auf der Website des Kongresses.

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