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Rangerin Bormann: Jeder Stein eine Geschichte

Antje Bormann ist Geologin und Rangerin im Geopark Bergstraße-Odenwald. Sie gibt ihre Liebe zur Landschaft an Besucher weiter.

Antje Bormann
Antje Bormann
Foto: privat

Gibt es bei der Arbeit als Rangerin noch Dinge, über die Sie ins Staunen kommen?

Natürlich, schon die Größe des Geopark-Gebietes lässt viel Raum für Neuentdeckungen. Auch Ecken, die ich kenne, sind nicht jedes Mal gleich. Der Weg sieht je nach Jahreszeit vielleicht ganz anders aus. Gäbe es für mich nichts mehr zu staunen, würde ich aufhören.

Wie sind Sie zum Geo-Naturpark gekommen?

Als ich vor acht Jahren nach Hessen kam, habe ich im ersten Sommer meine Familie kreuz und quer durch den vorderen Odenwald gejagt - wir waren von der Landschaft begeistert. Im Geopark ließ sich diese Leidenschaft "professionalisieren". Wir arbeiten hier nach dem Motto: Was man liebt, möchte man auch bewahren und schützen. So verstehe ich auch meinen Beitrag zur Landschaftserhaltung und zum schonenden Umgang mit der Umwelt - und ein bisschen missionarischer Eifer ist auch dabei.

Wie wird man Ranger?

Jeder Ranger bringt eine gewisse Vorbildung mit, unser Team besteht hauptsächlich aus Geologen, Biologen, Geografen und "Artverwandten". Ich persönlich bin promovierte Geologin. Wir sind in einer Zusatzausbildung zum IHK-zertifizierten Geopark-Ranger qualifiziert worden. Mittlerweile läuft die dritte Ausbildungsgeneration.

Wie sieht die Ausbildung aus?

In meinem Jahrgang 2004 haben wir zwei Tage die Woche Vorträge gehört, Kooperationspartner kennengelernt, viele Exkursionen gemacht, Kommunikationstrainings und einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Wir sind pädagogisch geschult worden, haben Museen besucht und Lehrpfade kennengelernt, bei erfahrenen Rangern hospitiert. Am Ende stand die Abschlussprüfung. Die Ausbildung ist so vielfältig wie der Geopark.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Alltag in dem Sinne gibt es nicht. Die meisten Ranger sind nebenberuflich für den Geopark tätig, einige Ranger haben mehrmals pro Woche einen Einsatz, andere nur einmal im Monat. Umweltpädagogische Programme mit Kindern gehören ebenso dazu wie thematische Wanderungen, Exkursionen mit Studenten und Parkplatzdienste, bei denen wir an ausgewählten Wanderparkplätzen Fragen beantworten, Informationen verteilen und Wanderkarten verkaufen.

Wie reagiert das Publikum?

Ausgesprochen gut. Sehr häufig sind "Aha"-Erlebnisse mit dem Satz "So habe ich das noch nie gesehen". Wir bieten ja keine Lehrveranstaltungen an. Freude an der Landschaft, vielleicht auch Genuss beim Einkehren oder zwischendurch ein Spiel gehören meistens dazu - das erhöht den Spaßfaktor und macht unsere Wanderungen lebendig.

Was fasziniert Sie an Steinen?

Da muss ich jetzt mal einen ehemaligen Professor zitieren. "If rocks don´t turn you on, you´re not supposed to be a geologist" - das gehört einfach dazu. Jeder Stein erzählt Geschichte in Zeitdimensionen, dagegen ist die Menschheitsgeschichte einfach lächerlich kurz. Im Geopark gibt es Gesteine, die locker 350 Millionen Jahre alt sind und die 12 bis 15 Kilometer unter der Erdoberfläche erstarrt sind - und trotzdem können Sie die Steine heute an der Oberfläche sehen. Beim Wandern in den Alpen finden Sie Meeresablagerungen und an der Ostsee Gletscherablagerungen. Steine sind Geschichtsarchive unserer Erde, unserer Umwelt. Dann gibt es diese Jäger- und Sammlermentalität: Viele Gesteine haben einfach einen ästhetischen Reiz.

Interview: Volker Trunk

Datum:  15 | 5 | 2010
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