Die Uneinsichtigen, diejenigen, die nicht verstehen wollen, wird auch ein Rat der Religionen nicht überzeugen. Und dennoch könnte eine solche Institution in Konflikten wie dem Moschee-Streit von Hausen deeskalierend wirken. Davon sind jedenfalls die Initiatoren des geplanten Rats überzeugt.
"Wir machen damit deutlich: Wer sich mit einem von uns anlegt, der hat es mit allen zu tun", sagte Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, am Montag bei der Präsentation des Projekts. Das war zwar auch im Moschee-Streit schon so, als sich die beiden großen christlichen Kirchen auf die Seite der Bauherren stellten. Ein Rat der Religionen könne aber "in Konflikten ein besonderes Gewicht haben", betonte der katholische Stadtdekan Raban Tilmann.
Noch ist es aber ein weiter Weg bis hin zu der neuen interreligiösen Instanz. Bislang existierte lediglich eine Initiativgruppe, bestehend aus Vertretern der christlichen Kirchen, der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) sowie der Bahai-Gemeinde. Seit Dienstag sind auch die Jüdische Gemeinde und die Deutsch-Vietnamesisch-Buddhistische Gemeinde offiziell dabei.
Der Initiativkreis will Kontakt zu den anderen Religionsgemeinschaften aufnehmen. Man werde in den nächsten Tagen Briefe an 56 Gruppierungen versenden, kündigte die evangelische Pröpstin Gabriele Scherle an. Insgesamt sind 150 religiöse Vereinigungen in der Stadt bekannt. Wer einen Brief bekommt und wer nicht, obliegt den Vertretern der einzelnen Religionen im Initiativkreis. So einigten sich katholische und evangelische Kirche darauf, nur Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zu berücksichtigen. Das bedeutet: Gruppen wie die Zeugen Jehovas oder Scientology bleiben außen vor. Die IRH werde alle Moscheegemeinden einladen, um gemeinsame Vertreter zu benennen, berichtete deren Sprecher Ünal Kaymakci.
Bis 6. Oktober haben die angeschriebenen Gemeinschaften Zeit, über ihre Mitarbeit im geplanten Rat der Religionen nachzudenken. Danach sollen Personen gewählt werden, die ihre Gruppe im Rat vertreten. Als Richtgröße schwebt den Initiatoren ein Gremium von 25 Mitgliedern vor. Der Rat sei gedacht als "gemeinsame Repräsentanz der Religionsgemeinschaften", sagte die evangelische Pfarrerin und Beauftragte für interreligiösen Dialog, Ilona Klemens. Frankfurt sei mit seinem vielfältigen religiösen Leben prädestiniert für einen Rat der Religionen. Ähnliche Zusammenschlüsse existieren bereits in Stuttgart, Köln und Dormagen.
Kaymakci betonte, Ziel der Initiative sei nicht nur die Bewältigung von Konflikten. "Es geht darum, die Vernetzung zwischen den Religionen voranzubringen, wir wollen auch positive Akzente setzen." Vor allem die Zusammenarbeit mit kleineren Religionsgruppen sei "noch ausbaufähig". Ähnlich äußerte sich Dagobert Ossa als Vertreter der Buddhisten. "Wir bemühen uns um Integration und wollen Parallelgesellschaften verhindern."
Stadtdekan Tilman betonte indes auch die Schwierigkeiten, die ein solches Gremium in sich berge. Es bestehe die Gefahr, dass der Rat politisch instrumentalisiert und der Glaube relativiert werde. "Jeden in seinem anderen Glauben anzuerkennen und ihn zu ermuntern, dabei zu bleiben - das ist ein hohes Gut", sagte der Stadtdekan. "Jeder kann denken, dass seine Religion die beste ist, aber wir müssen den Nächsten akzeptieren", mahnte der jüdische Rabbiner Menachem Halevi Klein. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) lobte den Rat als "wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in der Stadt". Er sei auch gedacht "für Menschen, die keine Religion haben".

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