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22. November 2013

Rechstextremismus im Landkreis Gießen: Neonazis bedrohen Passanten

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Die lokale Neonazi-Szene hält seit Monaten das Lumdatal in Atem. (Symbolbild)  Foto: dpa

Die Polizei ermittelt im Lumdatal nach einer Rangelei auf offener Straße gegen Mitglieder der lokalen Neonazi-Szene. Hintergrund der Auseinandersetzung könnte eine anonyme Plakataktion an der Justus-Liebig-Universität Gießen sein.

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Lumdatal. –  

Nach einer Rangelei auf offener Straße im mittelhessischen Allendorf ermittelt die Polizei gegen mehrere Beteiligte, darunter auch Mitglieder der lokalen Neonazi-Szene, die seit Monaten das Lumdatal in Atem halten. Wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Mittelhessen am Freitag der Frankfurter Rundschau sagte, seien am Mittwochnachmittag drei Anhänger der rechtsextremen Szene, die sich mit einer Holzlatte und einem Elektroschockgerät bewaffnet hatten, mit zwei weiteren Männern aneinandergeraten, von denen einer im Laufe der Auseinandersetzung ein Pfefferspray eingesetzt habe.

Verletzte habe es bei der Rangelei nicht gegeben, so die Sprecherin. In einer Pressemitteilung der Polizei hieß es, einer der Rechten habe später Widerstand gegen die alarmierten Beamten geleistet und sei dabei leicht verletzt worden. Es werde noch ermittelt, von welchem der Beteiligten die Aggression ursprünglich ausgegangen sei.

Hintergrund der Rangelei könnte nach Informationen der Frankfurter Rundschau eine anonyme Plakataktion an der Justus-Liebig-Universität Gießen sein: Augenzeugen zufolge waren dort am Mittwochmorgen Poster und Flugblätter aufgetaucht, auf denen bei voller Namensnennung über die rechten Aktivitäten eines der Lumdataler Neonazis berichtet wurde. Der junge Mann studiert an der Uni Gießen.

Schläge gegen die Haustür

Der aus Allendorf stammende Rechtsextremist machte sich daraufhin offenbar mit zwei Gesinnungsgenossen auf die Suche nach den Urhebern der Plakate. Wie Annette Bergen-Krause, SPD-Bürgermeisterin von Allendorf und entschiedene Gegnerin der lokalen Neonaziszene, der FR sagte, sei er auch vor ihrem Haus aufgetaucht und habe ihrem Mann gegenüber behauptet, sie habe etwas mit der Plakataktion zu tun. Ulrike K. (Name geändert), eine Anwohnerin aus Allendorf, deren Familie schon länger von den Rechten bedroht wird, berichtete der FR, zuvor sei er schon vor ihrem Haus aufgetaucht, habe sie bedroht und mehrfach mit voller Wucht gegen ihre Haustür geschlagen.
Die anschließende körperliche Auseinandersetzung spielte sich direkt vor dem Haus von Bürgermeisterin Bergen-Krause ab. Der Sohn von Ulrike K., der ebenfalls bereits früher von den Neonazis bedroht worden war, war mit seinem Stiefvater offenbar zufällig vorbeigekommen und mit den Rechten aneinandergeraten.

Drohungen und bewaffnete Rangeleien am hellen Tage stellen eine neue Eskalationsstufe im Lumdatal dar: Schon seit Anfang des Jahres machen die lokalen Neonazis mit Aufklebern, Internetpropaganda und Übergriffen auf Andersdenkende von sich reden, auch Bürgermeisterin Bergen-Krause hatten sie mehrfach bedroht. Nach zunehmendem Widerstand aus der Zivilgesellschaft und erhöhtem Fahndungsdruck durch die Polizei war es zuletzt allerdings ruhiger um die Gruppe geworden, die sich im Juli den Jungen Nationaldemokraten angeschlossen hat, der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD.

Erst vor zwei Wochen war ein Mitglied der Lumdataler Neonaziszene vom Amtsgericht Gießen wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Ende Juli war bereits ein 18-Jähriger zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, weil er rechtsextreme Musik weitergegeben und öffentlich den Hitlergruß gezeigt hatte.

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