Die rechte Szene jubiliert. Nach der brutalen Attacke von Neonazis gegen antifaschistische Demonstranten auf einer Autobahnraststätte in Thüringen frohlocken die Kameraden in einschlägigen Internetforen: "Immer feste drauf, auf das Linkepack", schreibt einer, der sich "Brandstifter" nennt. Und "Gegenschlag" lobt: "Gut gemacht, Kameraden!" Die NPD versucht derweil, die rechten Schläger zu Opfern zu machen: "Nationale Bürger" seien von "gewaltbereiten Linken" angegriffen worden, behauptet die rechtsextreme Partei.
"Das ist völliger Quatsch", empört sich Holger Kindler, Jugendbildungsreferent des nordhessischen DGB: "Von uns aus war da gar nichts." Der Kasseler gehörte zu den rund 80 hessischen Nazi-Gegnern, die am Samstag in zwei Bussen nach Dresden gefahren waren, um unter dem Motto "Geh denken" gegen den Aufmarsch von rund 6000 Rechtsextremen zu demonstrieren. Und die bei der Rückfahrt auf dem Rastplatz "Teufelstal" bei Jena von Neonazis überfallen wurden - ebenso wie die Insassen eines Busses, den die nordrhein-westfälischen Jusos gechartert hatten.
Bittere Bilanz: Ein 43-jähriger Gewerkschafter aus dem nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis wurde mit einen Schädelbruch ins Krankenhaus gebracht. Er sollte am Montag operiert werden. Ein 18-Jähriger aus Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen erlitt so schwere Verletzungen am Knie, dass er zunächst im Rollstuhl sitzen muss. Hinzu kommen zahlreiche leichter Verletzte mit Prellungen oder Gehirnerschütterung. Die Polizei war zu spät am Tatort eingetroffen, um noch einzugreifen, konnte den Bus der Rechten aber immerhin einige Kilometer weiter stoppen und die Personalien von 41 Kameraden feststellen. Nach Angaben eines Sprechers der Jenaer Polizei stammen sie aus Südhessen (Frankfurt, Darmstadt und Bensheim), aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Schweden.
Ermittelt werde wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung. Festgenommen worden sei jedoch noch niemand. Nur die drei schwedischen Neonazis habe man am Montag "bundesweit zur Festnahme ausgeschrieben" - nicht weil gegen sie ein besonderer Tatverdacht bestehe, sondern wegen Fluchtgefahr. "Es besteht sonst die Möglichkeit, dass sie sich der deutschen Strafgerichtsbarkeit entziehen", erklärte der Sprecher.
Nach Augenzeugenberichten waren die Rechten kurz nach ihren Gegnern an der Raststätte eingetroffen und hatten offenbar sofort zu provozieren begonnen. Es flogen Flaschen, Steine und Eisklötze gegen die Busse. Einzelne Antifaschisten wurden angepöbelt und geschubst.
"Dabei wurde ein Kollege ins Gesicht geschlagen", sagt Gewerkschafter Kindler. Als die Nazi-Gegner in einen ihrer Busse flüchten wollten, seien sie von 15 bis 20 Rechtsextremen verfolgt worden. "Drei Kollegen konnten sich nur mit Kopf- und Rumpfverletzungen in den Bus retten." Der schwer verletzte 43-Jährige habe das nicht mehr geschafft: Er sei von den Schlägern aus der sich schließenden Bustür gezerrt, zu Boden geworfen und gegen den Kopf getreten worden - vor den Augen der wehrlosen Antifaschisten, die im Bus hinter verschlossenen Türen saßen. "Wir konnten ihm einfach nicht helfen", erinnert sich ein 19-jähriger Schüler. "Wären wir rausgegangen, hätten sie uns einen nach dem anderen abgefangen - das waren ultra-gewaltbereite, vermummte Neonazis, die nur darauf gewartet haben."
Die Attacke war nicht der einzige Übergriff auf linke Gegendemonstranten an diesem Tag. Nach Angaben des Weimarer Bürgerbündnisses gegen Rechts wurde eine Gruppe von sieben Antifaschisten bereits während der Anreise nach Dresden von Neonazis attackiert. Auf einem Autobahn-Rastplatz bei Chemnitz hätten rund 60 Rechte die Insassen eines Kleinbusses mit Flaschen attackiert und zu Boden getreten. Vier der Überfallenen hätten ambulant behandelt werden müssen.
Vor dem Hintergrund dieser braunen Gewalttaten verlangten der DGB Hessen-Thüringen und die Linksfraktion im hessischen Landtag erneut ein Verbot der NPD. Grüne und SPD forderten die Landesregierung zu entschlossenerem Handeln gegen Rechts auf.

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