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08. Januar 2016

Rechtsextremismus: Sturmvögel aufgeflogen

 Von Joachim F. Tornau
Rechtsextreme sind auch in Hessen imer wieder aktiv.  Foto: Sascha Rheker

Getarnt als Pfadfindergruppe will ein rechter Jugendbund in Nordhessen ein Ferienlager abhalten. Der Pfadfinderverband BdP wirft die unerwünschten Gäste raus, die Polizei spricht dagegen von einem "Gerücht", dass es sich um Rechtsextreme gehandelt habe.

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Die konspirative Strategie ging nicht auf: Der von Experten als rechtsextrem eingestufte „Deutsche Jugendbund Sturmvogel“ musste sein Winterlager in Nordhessen abbrechen, nachdem seine Tarnung als harmlose Wandervogel-Gruppe aufflog. Unter falscher Flagge hatte sich die Jugendorganisation, die 1987 als Abspaltung der neonazistischen Wiking-Jugend entstand, zum Jahresende im Bundeszentrum des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) in Immenhausen bei Kassel eingemietet.

„Unter dem Deckmantel einer Kinderfreizeit hat der Sturmvogel auf unserem Gelände eine Silvesterfeier durchführen wollen, bei der ab dem Nachmittag Autos einschlägig bekannter Rechtsextremisten vorfuhren“, teilte der größte interkonfessionelle Pfadfinderverband Deutschlands mit. Nachdem man davon erfahren habe, habe man umgehend vom Hausrecht Gebrauch gemacht und die unerwünschten Gäste rausgeworfen. Der BdP zählt den Sturmvogel zu den völkisch-nationalistischen Jugendorganisationen, von denen er sich in der Vergangenheit immer wieder distanziert hat.

"Extrem rechte Organisation"

Nach einem Bericht der Rechtsextremismus-Experten Andrea Röpke und Julian Feldmann in der Fachzeitschrift „Blick nach rechts“ nahmen an dem Winterlager mit 65 Kindern auch eine ehemalige Aktivistin der 2009 verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) sowie die Rechtsextremistin Ingeborg Godenau teil – Ehefrau des nordhessischen NPD-Chefs und selbst seit vielen Jahren in der rechten Szene engagiert. Beim jüngsten Sommerlager des Bundes in Brandenburg war neben mehreren früheren HDJlern auch ein bekannter Holocaust-Leugner identifiziert worden.

Das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz) in Berlin hat keinen Zweifel: Der Sturmvogel sei als „extrem rechte Jugendorganisation“ zu bewerten. „Sie vermittelt Jugendlichen völkische und antidemokratisch-elitäre Elemente der deutschen Jugendbewegung und anderer Organisationen aus den 1920er-Jahren.“

Das Bundesinnenministerium dagegen sieht nach wie vor keine „hinreichend gewichtigen Erkenntnisse für rechtsextremistische Bestrebungen“. So steht es jedenfalls in der Antwort auf eine Anfrage der linken Bundestagsfraktion, die just während des Winterlagers einging. Und auch die nordhessische Polizei konnte in Immenhausen „kein Ferienlager einer rechtsextremistischen Gruppierung“ entdecken, wie ein Sprecher erklärte. Vom BdP alarmiert, habe man die Teilnehmer überprüft und festgestellt, dass es sich offensichtlich nur um ein „Gerücht“ gehandelt habe: „Alle Anwesenden gehörten einer Pfadfindergruppe an.“

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