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03. April 2014

Recyclingfirma Woolrec: Wieder Ärger um Skandalfirma Woolrec

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Hatte Erfolg: Anwohner-Protest gegen die Belastung durch die Recyclingfirma Woolrec im November 2012.  Foto: Alex Kraus

Anwohner sind besorgt über weitere Giftstofffunde auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Skandalfirma Woolrec in Braunfels-Tiefenbach. Beim zuständigen Regierungspräsidium Gießen kann man ihre Sorgen nicht nachvollziehen.

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Braunfels-Tiefenbach –  

Es ist jetzt eineinhalb Jahre her, dass die Produktion der Recyclingfirma Woolrec stillgelegt wurde. Im Januar hat das umstrittene Unternehmen sein Betriebsgelände in Braunfels-Tiefenbach (Lahn-Dill-Kreis) verlassen, für das zuständige Regierungspräsidium (RP) Gießen ist der Fall seitdem erledigt. Doch die Anwohner, die den Woolrec-Skandal vor zwei Jahren ins Rollen gebracht haben, machen sich weiter Sorgen um die Langzeitfolgen für ihre Gesundheit.

Und das aus aktuellem Grund: Wie erst kürzlich bekanntwurde, lagerten am Rand des Woolrec-Geländes noch bis vor wenigen Wochen 50 Tonnen Altöle und Lösungsmittel. Es handelt sich um Restbestände der seit 2010 insolventen IBC und Anlagenservice GmbH, die auf die Reinigung von Lack-Containern spezialisiert war – und an der auch Edwin Fritsch beteiligt war, der umstrittene Gründer von Woolrec.

Hochgiftige Schwermetalle

Außerdem stellte sich erst jetzt heraus, dass Woolrec jahrelang nicht nur künstliche Mineralfasern verarbeitet hat, die krebserregend sein können, sondern auch Filterstäube und andere Abfälle aus der Emaille-Produktion, die mit hochgiftigen Schwermetallen wie Cadmium, Nickel, Blei und Arsen belastet sein können.

Die Anwohner aus Tiefenbach reagieren auf diese neuen Informationen beunruhigt – und wütend. Seit 2011 habe man sich immer wieder ohne Erfolg über ekelerregenden Lösungsmittelgeruch vom Woolrec-Gelände beschwert, sagt Elisabeth Schneider von der IG Tiefenbach. Jetzt werde klar, dass dieser Gestank von den Altölen stamme, die möglicherweise in maroden Fässern gelagert gewesen seien. Außerdem sei es „ein Unding, dass das RP Gießen zugelassen hat, dass bei Woolrec hochgefährliche Emaille-Stäube verarbeitet wurden“. Ortsvorsteher Heinz Schulz (SPD) appellierte an die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), sich mit dem Fall zu befassen: „Wir erwarten nun von ihr, dass sie sich um den Schutz der Tiefenbacher Bevölkerung kümmert“, sagte Schulz.

Beim zuständigen RP Gießen kann man die Sorgen der Anwohner nachvollziehen, hält sie aber für unbegründet. Die Lösungsmittel hätten sicher in „verschlossenen Fässern“ gelagert, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Rundschau. Sie seien nur deshalb erst vor kurzem abtransportiert worden, weil nach der Insolvenz der IBC GmbH ein langer Rechtsstreit nötig gewesen sei, um die Eigentümerin des Geländes zur Finanzierung der Entsorgung zu bewegen. „Für uns war wichtig, das nicht dem Steuerzahler aufzubürden“, so die Sprecherin.

Dass die Verarbeitung von Emaille-Abfällen bei Woolrec unbedenklich gewesen sei, ergebe sich aus einem Gutachten von Stefan Gäth, Professor für Abfall- und Ressourcenmanagement an der Uni Gießen, so die Sprecherin. Die Tiefenbacher wird das nicht beruhigen: Schon im September 2012 hatte Regierungspräsident Lars Witteck (CDU) öffentlich eingeräumt, dass Gäth als Woolrec-Gutachter ungeeignet war – er hatte die Firmenidee mitentwickelt.

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