Hessen ist reich an Schätzen und trotzdem arm. Allein die Museen im Landeseigentum besitzen fünf Meisterwerke, deren Wert jeweils auf mehr als 60 Millionen Euro geschätzt wird. Trotzdem fällt die Bilanz deutlich negativ aus, wenn man das Vermögen den Schulden und anderen Verpflichtungen gegenüberstellt. Dann ergibt sich ein Fehlbetrag von 57,9 Milliarden Euro.
Ein Rembrandt-Gemälde, das im Kasseler Schloss Wilhelmshöhe zu sehen ist, führt die Liste mit geschätzten 100 Millionen Euro an. Hinzu kommen Tausende von Grundstücken und Gebäuden, von denen das Staatstheater in Darmstadt (79 Millionen Euro) das wertvollste ist.
Das geht aus Listen hervor, die das Finanzministerium auf Anfrage der Frankfurter Rundschau zusammengestellt hat. Die Daten dafür hat das Land für die "Eröffnungsbilanz" des Landes erhoben, die im November veröffentlicht wurde. Die einzelnen Posten sind aber nicht in dem 100-Seiten-Werk aufgeführt.
Elf Jahre lang hat die hessische Verwaltung daran gearbeitet, den Wert des Vermögens und die Höhe der Belastungen zu ermitteln. Man habe sich um "vollständige Transparenz" bemüht, sagte Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bei der Vorstellung.
Doch mit wie viel Euro veranschlagt man denkmalgeschützte Bauten, unverkäufliche Gemälde oder Straßen? An dieser Frage haben die Fachleute jahrelang geknobelt. Der Rembrandt und andere sehr wertvolle Gegenstände wurden einzeln geschätzt - und zwar "vorsichtig", wie es in der Bilanz heißt. Bei Gegenständen und Gebäuden, die als weniger wertvoll gelten, beschränkte man sich auf eine Sammelbewertung.
Nicht jeder Besitz ist dabei aus finanzieller Sicht lukrativ. Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) nennt etwa das Kasseler Wahrzeichen Herkules. Dessen Sanierung werde "ein bisschen mehr kosten als der entsprechende Buchwert" von 4,5 Millionen Euro.
Die hessische Opposition nannte die Bilanz wegen der hohen Pensions- und Schuldenlast einen "Offenbarungseid". Weimar nennt andere Gründe für das hohe Defizit. Flächenländer verfügten über weniger Anlagevermögen als Kommunen und Stadtstaaten, sagt er - und nennt die Bildung als Beispiel: "Die Länder zahlen die Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer und tragen deren Pensionslasten, während den Kommunen die Schulen als Vermögenswerte gehören."
Grundstücke, Gebäude, Kulturgüter und mehr: Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wie reich das Land Hessen wirklich ist.

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