Auf der Webseite von „Dawa-FFM“ bekommt man einen Eindruck davon, was das salafistische Missionswerk für junge Muslime und Konvertiten attraktiv macht: Zusammenhalt, Gemeinschaftsgefühl und Orientierung. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltungen stehen der Islam und der Salafismus, eine Ideologie, die eine radikale Rückbesinnung auf die islamischen Quellen und in letzter Konsequenz die Errichtung eines Gottesstaates fordert.
Die Verfassungsschützer gehen derzeit von 5200 Islamisten in Hessen aus. Die salafistische Szene wächst am schnellsten. Als wichtigster salafistischer Prediger im Rhein-Main-Gebiet gilt Abdellatif Rouali, genannt Scheich Abdellatif. Der Marokkaner bot in verschiedenen Frankfurter Moscheen „Islamunterricht“ an, ehe er aus den meisten verbannt wurde. In der Ginnheimer Falah-Moschee ist er noch aktiv. Mittlerweile bietet er Islamseminare in ganz Hessen an, von denen Videos im Internet abrufbar sind.
Aufruf zum Extremismus
Der hessische Verfassungsschutz warnt, dass diese Veranstaltungen zur Radikalisierung junger Muslime beitragen. Auch Flughafenattentäter Arid U. soll sich Videos von Rouali angesehen haben. „Insbesondere die immer wieder geforderte Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft befördert eine immer stärkere Verstrickung in extremistische Kreise“, heißt es im Verfassungsschutzbericht.
Präsenz zeigen die Missionare mittlerweile auch auf der Frankfurter Zeil, wo sie kostenlose Koranübersetzungen verteilen, „um die Dawa voranzutreiben“, wie es die Salafisten bezeichnen. „Dawa“ bedeutet auf Arabisch: Aufruf oder Einladung und ist als Missionierungsbestrebung zu verstehen, die die Salafisten als grundlegende Pflicht ansehen.
Die Missionstätigkeit von Dawa-FFM wendet sich genauso an Muslime wie an potenzielle Konvertiten. Vor allem aber suchen die Missionare die Öffentlichkeit. Entsprechend groß sind die Erkenntnisse der Behörden.
Hetze in der Moschee
Schwieriger wird es dort, wo sich die Radikalisierung innerhalb geschlossener Gemeinschaften vollzieht. Der Prediger des Afghanischen Kulturvereins Frankfurt, Said Khobaib Sadat, gilt etwa in den Augen hessischer Behörden nach wie vor als „Hassprediger“. Ein Vorwurf, den der Landesverfassungsschutz durch Mitschriften einzelner Predigten zu belegen versuchte. Aufgrund dieser Einschätzung versucht die Offenbacher Ausländerbehörde, Sadat seit 2004 abzuschieben.
Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel sah im November 2011 diesen Vorwurf nicht hinreichend belegt. Zwar habe sich der Imam mehrfach „in stark verzerrender“ Weise über das Vorgehen der ISAF in Afghanistan geäußert, seinen Predigten sei aber keine Aufstachelung zum Hass gegen Bevölkerungsteile in Deutschland zu entnehmen. Bereits in früheren Instanzen hatten der Imam und seine Verteidigung die Einschätzung des Verfassungsschutzes auf Fehlübersetzungen zurückgeführt.
Ob Sadat ein „Hassprediger“ ist oder nicht, bleibt weiter ungeklärt. Deutlich wird aber das Problem der Behörden, das Radikalisierungspotenzial innerhalb sprachlich und ethnisch abgeschirmter Gemeinschaften einzuschätzen und zu belegen.

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