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Renaissance-Werke in Frankfurt: Botticelli ohne Campingstuhl

Die Walthers hatten schon befürchtet, dass sie ewig vor der Kasse stehen müssen und vor lauter Menschen die Kunstwerke kaum sehen. Doch zu Beginn der Ausstellung bleibt das ganz große Gedränge aus. Von Georg Leppert

So eine Ausstellung sollte man sich mehrfach ansehen, man entdeckt immer neue Aspekte, sagt Erika Walther.
"So eine Ausstellung sollte man sich mehrfach ansehen, man entdeckt immer neue Aspekte", sagt Erika Walther.
Foto: dpa

Sie hatten es sich schlimm vorgestellt, die Walthers aus Hofheim. Hatten befürchtet, sie müssten am Sonntagmorgen erst einmal eine halbe Stunde durch Sachsenhausen kurven, um einen Parkplatz zu finden. Hatten gedacht, sie stünden mindestens anderthalb Stunden vor dem Kassenhäuschen an, zusammen mit Leuten, die sich Campingstühle und Notverpflegung mitgebracht haben.

Und hatten Sorge, die Ausstellung mit Bildern von Sandro Botticelli im Städel könnte so überlaufen sein, dass man sich vor lauter Gedränge gar nicht auf die Werke des Künstlers konzentrieren kann. "Bei den Leichen vom Gunther von Hagens war das so", sagt Erika Walther. Ihr Mann nickt. Er erinnert sich nur ungern.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung im Städel umfasst etwa 80 Werke. Rund die Hälfte der Zeichnungen und Gemälde hat Sandro Botticelli (1445-1510) selbst angefertigt. Die übrigen Bilder stammen von seinen Schülern oder von Zeitgenossen.

Bis zum 28. Februar 2010 ist die Schau zu sehen. Das Städel ist dienstags und freitags sowie an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Montags ist geschlossen. Fast täglich gibt es öffentliche Führungen. (geo)

In Wahrheit haben die Walthers aus Hofheim am Sonntag einen tollen Tag im Städel verbracht. Zwar war die Parkplatzsuche in der Tat nicht ganz einfach, aber sämtliche andere Befürchtungen bestätigten sich nicht. Noch nicht einmal fünf Minuten mussten sie auf der Treppe zum Museum warten, dann standen sie schon vor dem Container, in dem die Karten für die Botticelli-Ausstellung verkauft werden, "eine ganz hervorragende Schau", wie Frau Walther bemerkt.

"Madonna mit Kind" hängt sonst im Louvre

Rund 40 Werke des Künstlers aus der frühen Renaissance sind im Städel zu sehen. Besonders begeistert sind die Walthers von einem Bild namens "Madonna mit Kind", das für gewöhnlich im Pariser Louvre hängt. Warum gerade dieses Bild? "Ich kann das nicht erklären", sagt Erika Walther.

Während die Hofheimer durch die Ausstellung gehen, in der absolut kein Gedränge herrscht, wird die Schlange vor dem Kassenhäuschen länger - aber nur ein wenig. Selbst um 13 Uhr, der klassischen Familie-geht-ins-Museum-Zeit, wartet keiner länger als zehn Minuten auf Einlass. Was auch daran liegt, dass die Organisation gut ist. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes beantworten Fragen der Besucher, die sie dann nicht am Kassenhäuschen stellen müssen. "Bei Cranach war in den Anfangstagen aber mehr los", sagt einer der Männer in Uniform. Die Ausstellung mit Werken des Renaissance-Künstlers hatten sich vor zwei Jahren Zehntausende im Städel angesehen.

Dennoch möchte am Wochenende niemand der Verantwortliche von einem enttäuschenden Start der Botticelli-Ausstellung sprechen. Ganz im Gegenteil. An den ersten beiden Tagen seien 7500 Menschen ins Städel gekommen, sagt eine Sprecherin des Museums. Die Besucher seien von den Werken begeistert.

Für die Walthers wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie sich die Gemälde und Zeichnungen angesehen haben. "So eine Ausstellung sollte man sich mehrfach ansehen, man entdeckt immer neue Aspekte", sagt Erika Walther. Wer die Schau aber in den letzten Tagen besuchen will, sollte sich am besten jetzt schon einen Gutschein kaufen, um lange Wartezeiten an der Kasse zu vermeiden, rät der Mann vom Sicherheitsdienst. Denn wenn das Ende der Ausstellung naht, dürfte es richtig voll werden. Und wer weiß: Vielleicht ist es dann keine schlechte Idee, Campingstuhl und Notverpflegung mitzunehmen.

Autor:  GEORG LEPPERT
Datum:  15 | 11 | 2009
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