Meistens plätschern sie harmlos dahin, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Doch die Taunusbäche gehören zu den hessischen Fließgewässern mit besonders großer Hochwassergefahr. In ihrer unmittelbaren Nähe stehen Häuser und anders als bei Main oder Nidda ist die Vorwarnzeit sehr gering. "Hauptsächlich im Sommer fallen blitzartig starke Niederschläge und dann steht man über Nacht im Wasser. Die Bäche schnellen dann vom Taunus runter nach Frankfurt", sagt Elisabeth Geselle vom Regierungspräsidium Darmstadt.
Das liegt an der besonderen Geologie im Vordertaunus, erläutert Holger Krier vom Stadtentwässerungsamt Frankfurt: "Der Boden dort ist so beschaffen, dass er nicht so viel Wasser aufnimmt, sondern dieses oberflächlich abfließt. Das führt bei Hitze zu Austrocknungen der Bäche und bei starkem Regen schnell zu Hochwasser."
Das heftigste überlieferte Hochwasser in Frankfurt ereignete sich im Juli 1342, die letzten großen Überschwemmungen am Main gab es im Januar 2003.
Gefahr geht nicht nur vom Main und der Nidda aus, sondern auch von den Taunusbächen. Besonders hochwassergefährdet sind dabei laut dem Stadtentwässerungsamt der Eschbach, der Urselbach und der Sulzbach.
Der Sulzbach trat das letzte Mal heftig im Jahre 1981 über die Ufer - und das gleich drei Mal. Dabei wurden zahlreiche Keller überschwemmt und eine Brücke in Alt-Sossenheim beschädigt, die verbreitert wieder aufgebaut wurde. Im Jahre 2003 gab es rund um den Sulzbach lokale Überschwemmungen.
Zwei Millionen Euro wurden in den vergangenen 25 Jahren alleine am Sulzbach für Hochwasserschutz und zur Renaturierung ausgegeben.
Informationen zum Hochwasserschutz gibt es beim Umwelttelefon der Stadt: 069/212 39 100 oder im Internet unter www.frankfurt.de
Es gibt verschiedene Strategien, um sich vor dieser Gefahr zu schützen - und die haben sich im Laufe der Zeit grundlegend verändert. Das wird besonders am Sulzbach deutlich, der in Königstein entspringt und, nachdem er auf etwa 2,7 Kilometern das Stadtgebiet Frankfurt in Sossenheim durchfließt, in die Nidda mündet. Bis in die 80er Jahre hinein wurden dort der klassische Hochwasserschutz betrieben: Die Bäche wurden begradigt und einbetoniert, sie sahen aus wie kleine Autobahnen.
Besonders nach den Überschwemmungen aus dem Jahre 1981 wurden eilig große, künstliche Rückhaltebecken geplant und teilweise auch gebaut. Am Eschbach oder am Urselbach sah es zu dieser Zeit ähnlich aus. "Dann kam das Umdenken", resümiert Kriers Kollege Roland Kammerer. "Die technischen Bauvorhaben waren sehr aufwendig. Außerdem hatten die Bäche durch die vielen künstlichen Eingriffe keine Durchlässigkeit für Organismen mehr, sie waren praktisch am Aussterben."
In der Folgezeit wurde versucht, Hochwasserschutz und Ökologie zu vereinen - das Zauberwort hieß nun Renaturierung, zurück zur Natur. Dieses Umdenken wurde auf der 1990 ins Leben gerufenen "Niddakonferenz" manifestiert: Die beteiligten Interessengruppen fassten einen Beschluss zur naturnahen Umgestaltung der Taunusbäche und zur Verbesserung der Wasserqualität.
Krier beschreibt die Maßnahmen seither wie folgt: "Wir versuchen nun, den Flüssen mehr Raum zu geben. Das heißt, Verrohrungen und Betonplatten werden rausgenommen. Stattdessen erwerben wir Grünanlagen neben den Flüssen, die bei Hochwasser volllaufen können. Die werden teilweise zu sogenannten grünen Rückhaltebecken ausgebaut." Der Fluss kann dann wieder ein Eigenleben entwickeln.
Seither wurden große Teile des Sulzbachs auf städtischem Gebiet renaturiert. Dabei stoße man allerdings an Grenzen, denn es gestalte sich teils sehr schwierig, die Flächen neben den Bächen zu erwerben. "Wenn Privateigentümer nicht verkaufen wollen, sind uns die Hände gebunden", sagt Krier. Trotzdem wolle man perspektivisch auch die beiden letzten Abschnitte auf einer Gesamtlänge von etwa 900 Metern renaturieren. "Dabei sind wir natürlich auf eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden am oberen Flusslauf angewiesen. Da gibt es einen regen Austausch."
Der Abwasserverband Main-Taunus will in den nächsten Jahren fünf grüne Rückhaltebecken bauen, was auch Frankfurt zugute kommt. Auch Richard Schmidt vom Bund Naturschutz in Frankfurt zeigt sich angesichts der Maßnahmen "zufrieden".
Zu glauben, man könne einhundertprozentigen Schutz erlangen, bezeichnet Krier allerdings als trügerisch. "Wenn wir uns vor einem Jahrhunderthochwasser schützen, dann kann eines kommen, das noch stärker ist." Absoluten Schutz gibt es vor den Naturgewalten also nicht - an einem relativ hohen, der mit dem Naturschutz einhergeht, wird seit längerem gearbeitet.

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