Im Grund waren sich alle einig: "Wir sind zutiefst bestürzt über die schrecklichen Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen sowie Kindesmisshandlungen, begangen durch Vertrauenspersonen unter dem Dach von Kirchen, Schulen oder Kinderbetreuungseinrichtungen", heißt es im Entwurf zu einer Resolution, der der Frankfurter Rundschau vorliegt. Um die Verurteilung sexueller Übergriffe jeglicher Art geht es in dem Papier; darum, dass betroffene Institutionen für eine rasche und rückhaltlose Aufklärung zu sorgen haben und überführte Täter nicht mehr in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden sollen.
Unterzeichnen sollten das Papier die Träger der Jugendhilfe, Träger stationärer Betreuungseinrichtungen sowie die Kirchen im Main-Taunus-Kreis. Der CDU-Kreisbeigeordnete und Jugenddezernent Michael Cyriax hatte dazu alle an einen Tisch geholt - "um ein kraftvolles Zeichen in der Öffentlichkeit zu setzen", wie er sagt. Gemeinsam war der eineinhalb Seiten lange Text ausgearbeitet worden. Doch dann machte die Caritas Frankfurt einen Rückzieher.
Die Organisation, die das Vincenzhaus in Hofheim betreibt, in dem es in den 1950er und 60er Jahren Fälle von Misshandlungen und Missbrauch an Heimkindern gab, klinkte sich aus der Runde aus. Begründung: Der Verband habe im April im Zuge konkreter Missbrauchsvorwürfe ehemaliger Heimkinder ausführlich in der Öffentlichkeit über sein Vorgehen in diesen Fällen, seine Präventionsrichtlinien und die konkreten Maßnahmen im Kinderheim berichtet.
Vorwürfe, die Caritas wolle "Gras über die Sache wachsen lassen" und die Vorfälle verschweigen und in Vergessenheit geraten lassen, wie dies in einem anonymen Schreiben an die FR angedeutet wird, weist Caritasdirektor Hartmut Fritz mit aller Entschiedenheit zurück. Fritz ist überzeugt: "Die Mehrheit der Teilnehmer an der Runde konnte unsere Argumentation nachvollziehen." Für die katholische Kirche bestätigt dies der Dekan Andreas Unfried.
Anders sein Amtskollege Dekan Eberhard Kühn von der evangelischen Kirche: Er bedauere es zutiefst, dass keine Einigung über die Veröffentlichung zustande kam und die Resolution am Ende durch einen anonymen Briefeschreiber der Presse zugespielt wurde, sagte Kühn der FR. Umso mehr als es in der Sache an sich nicht den Hauch eines Dissenses gegeben habe. "Ich bin absolut sicher, dass alle in der Sache völlig einer Meinung sind." Kühn hält es für wichtig, "dass die Öffentlichkeit erfährt, wie die Kirche - die evangelische und die katholische - mit dem heißen Eisen Missbrauch umgeht."

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