Die Krise kostet nicht nur Arbeitsplätze und Umsätze. Sie erhöht auch die Konkurrenz zwischen den Unternehmen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage des Rhein-Main-Kompasses. Im Auftrag von Frankfurter Rundschau, Rheinmain-TV und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wurden im Oktober fast 400 Manager aus der Region befragt.
Mehr als zwei Drittel der Unternehmer spürt seit Einbruch der Konjunktur einen deutlich stärkeren Wettbewerb - sowohl mit Blick auf Konkurrenten innerhalb der Region als auch überregional. Der Kampf um Aufträge und Kunden wird schärfer. Darauf reagieren die Betriebe unterschiedlich: Die Mehrheit der befragten Entscheider gab an, im Wettbewerb vor allem auf Qualität zu setzen. Für vier Fünftel der Firmen ist ein überzeugendes Produkt, eine gute Dienstleistung der entscheidende Faktor für Erfolg.
Der Rhein-Main-Kompass ist eine repräsentative Trend-Umfrage zu aktuellen Themen unter Managern aus dem Ballungsraum Rhein-Main.
Im Auftrag von Frankfurter Rundschau, Rheinmain-TV und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ermittelt das Marktforschungsinstitut Psephos aus Hamburg per Telefonumfrage, wie Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände bestimmte Entwicklungen einschätzen.
An der achten Ausgabe haben im Oktober 397 Führungskräfte teilgenommen.
Rheinmain-TV berichtet am heutigen Dienstagabend um 21 Uhr über die Ergebnisse der Erhebung.
Großes Selbstbewusstsein
Dabei geht Qualität offenbar klar vor Preis: Nur ein Drittel der Manager gab an, sie wollten ihre Wettbewerber mit günstigeren Angeboten ausstechen. Jeweils rund die Hälfte nennt zudem das Serviceangebot und die Pflege der Kundenbindung als wichtige Faktoren. Für die Industrie ist auch entscheidend, die Aufträge schnell zu erledigen. Die Mehrheit der befragten Unternehmer betrachtet Frankfurt als ein wirtschaftliches Kraftzentrum der Republik. Dabei spielt das eigene Selbstbild, das Selbstbewusstsein der Firmen vor Ort eine Rolle. So betrachten sich zwölf Prozent der Firmen als Marktführer in ihrer Branche, 43 Prozent sehen sich zumindest in der Spitzengruppe.
Wettbewerb wird als Prinzip der ökonomischen Ordnung geschätzt. Als Vorzüge führen fast drei Viertel der Führungskräfte die Orientierung am Kunden an. Die Hälfte der Befragten glaubt, im Spiel der Marktkräfte führe der Wettbewerb prinzipiell zu Preisfairness. Den Gewinn von Effizienz sowie die große Produktvielfalt schätzen je etwa ein Drittel als positive Effekte der Marktwirtschaft.
Vor allem durch politische Instanzen werde Wettbewerb beeinträchtigt, moniert die Mehrheit der Befragten. Als weniger gewichtig indes werden Aspekte auf Seiten des Marktes und der Unternehmen selbst ins Feld geführt: Mangelnde Markttransparenz halten lediglich 28 Prozent für eine Behinderung. Jeweils rund ein Fünftel macht mangelnde Kreativität im eigenen Betrieb oder wettbewerbsfeindliche Absprachen dafür verantwortlich.
Wettbewerb wird aber auch kritisch betrachtet. Trotz aller Marktforschung gebe es Fehlentwicklungen bei Produkten, klagen 41 Prozent. Fast ebenso viele finden es bedenklich, dass Kosten infolge Manager-Fehlern auf die gesamte Gesellschaft abgewälzt werden. Auch das Vergeuden von Ressourcen und die Vernichtung von Werten aufgrund von Misserfolg im Wettbewerb sehen zwei Drittel als eine mögliche Last des Handelns in einer Marktwirtschaft an. Dass Wettbewerb auch zu Wirtschaftskriminalität und Korruption führt, Ausgrenzung und Existenzvernichtung für Unterlegene mit sich bringt, erkennt immerhin ein Viertel der Manager als besorgniserregende Begleiterscheinung von Konkurrenzkämpfen.

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