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Rhein-Main-Verkehrsverbund: Tarif-Dschungel bleibt

Unverständlich und teuer: Trotz Kritik hält der Rhein-Main-Verkehrsverbund an seinem Preissystem fest - mindestens bis 2015. Dann soll auch das E-Ticket Schule machen. Von Jutta Rippegather

Welches Knöpfchen? Den Fahrgast  plagen Zweifel.
Welches Knöpfchen? Den Fahrgast plagen Zweifel.
Foto: Christoph Boeckheler

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wird sein Tarifsystem bis zum Jahr 2015 nicht verändern. Dies teilte Geschäftsführer Knut Ringat am Rande einer Veranstaltung im House of Logistics and Mobility (Holm) mit. Bei dem Treffen einigten sich die großen Verkehrsverbünde und die Deutsche Bahn darauf, dass das elektronische Ticket, das in fünf Jahren im RMV-Gebiet eingeführt werden soll, auch in Hamburg und in Berlin kommen soll. So steht es in ihrem Beschluss, der "Wiesbadener Erklärung".

Seit Jahren schon arbeitet der RMV an der Entwicklung des E-Tickets. Als nächste Stufe soll im Jahr 2011 die Einführung der "passiven Chipkarte" erfolgen. Das Ticket kann dann auf besagtem Chip geladen werden - zunächst nur die Jahreskarte, ein Jahr später auch sämtliche Zeitkarten. Die nächste und bis auf weiteres letzte Stufe soll 2015 gezündet werden. Dann soll das vom Verkehrsministerium mit 15 Millionen Euro geförderte Be-In-be-out-System zur Entwicklungsreife gelangt sein: Die Chipkarte wird beim Ein- und Aussteigen in Bus oder Bahn automatisch zum Ticket. Der Nutzer bekommt einmal monatlich seine Abrechnung.

Einfach kompliziert

Von Offenbach Marktplatz nach Seligenstadt geht es per S-Bahn bis Hanau Hauptbahnhof, weiter mit der Regionalbahn. Dauer: 31 Minuten. Kosten: 3,80 Euro. Nur 2,40 Euro aber zehn Minuten länger: S-Bahn nach Rodgau-Jügesheim, dort den Bus nehmen.

Zum Flughafen kostet das Ticket ab Frankfurt-Hauptwache 3,80 Euro. Der Flughafen liegt in einer eigenen Preiszone. Inhaber einer Zeitkarte für das Stadtgebiet können jedoch ohne Anschlusskarte zum Flughafen fahren.

Die S-Bahn-Fahrt von Offenbach-Ledermuseum nach Frankfurt-Mühlberg dauert vier Minuten und kostet 3,80 Euro - so viel wie die 40-minütige Fahrt von Frankfurter Süd nach Nieder-Wöllstadt im Wetteraukreis.

Von Hanau-Steinheim nach Offenbach-Kaiserlei (fünf Stationen) kostet die Fahrt 2,40 Euro. Wer eine Station später, in Frankfurt-Mühlberg, aus-steigen will, zahlt 7,15 Euro.

Monatskarten-Inhaber der Preisstufe 4 von Friedrichsdorf nach Frankfurt können damit auch nach Sulzbach, Bad Vilbel oder Eschborn fahren. Für welche Zusatz-Tarifgebiete das Ticket freigegeben ist, steht aber nicht auf der Karte.

Informationen gibt es im Internet unter www.rmv.de oder bei der Hotline 018505 / 7 68 46 36 (0,14 Euro pro Minute). (jur)

Das neue System soll nicht nur im RMV funktionieren, sondern auch in Hamburg oder Berlin. "Wir werden die Zeit bis zur Einführung nutzen, um unser Tarifsystem als Basis für einen E-Tarif weiterzuentwickeln", teilte Geschäftsführer Ringat mit.

Damit begräbt er die Hoffnungen all jener, die an einer Tarifgrenze wohnen. Ihre Forderungen nach fairen Preisen bleiben ungehört. Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne) setzt sich seit Jahren dafür ein. Der Fahrpreis von 3,85 Euro nach Frankfurt, so ihre Kritik, biete keinen wirklichen Anreiz, das Auto stehen zu lassen. Der Verkehrsclubs Deutschland (VCD) vermisst vor allem die Kundenfreundlichkeit: Die Preisgestaltung des Verbundes sei derart unübersichtlich, dass selbst mancher Mitarbeiter nicht mehr durchblicke.

RMV-Sprecher Peter Vollmer hatte im März im Gespräch mit der FR eingeräumt, dass das Wabensystem zu Ungerechtigkeiten bei den Preisen führe. Derzeit werde geprüft, ob eine Reform vor der Einführung des E-Tickets sinnvoll sei, sagte er damals. Das Ergebnis liegt offenbar jetzt vor: Fünf Jahre müssen sich die Kunden bis zu einer Änderung danach mindestens noch gedulden.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  9 | 7 | 2010
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