Mamma mia, natürlich ist das Riedbad der ideale Ort zum Flirten. Finden zumindest Vincenzo und Lorenzo, die ihre gestählten Körper an diesem sonnigen Nachmittag im Bergen-Enkheimer Riedbad präsentieren. Glaubt man der Darstellung des 20-jährigen Lorenzo, bevölkern junge Damen geradezu das kleine Freibad. "Und die halten auch Ausschau." Da ist sich Lorenzo ganz sicher. Auch wenn er natürlich "nicht guckt." Er ist ja verlobt.
Bevor nun alle sehnsüchtigen Männer der Stadt ans beschauliche Enkheimer Ried pilgern: Es gibt auch andere Meinungen zum Klientel. Eine Mitarbeiterin sieht die Kinder vorne, dicht gefolgt von den älteren Herrschaften. "Die Mitte ist eher dünn besetzt." Aha. Vielleicht ist es ja eine ganz besonders offenherzige Mitte, die sich auf der großen Liegewiese tummelt.
Anreise: ++++ Schwimmen: +++ Hygiene: +++ Kioske: + Flirt-Faktor: +++
Die Wiese macht indes einen etwas mitgenommenen Eindruck. Nicht etwa, weil das Bad überlaufen wäre. Die Sprinkler-Anlage ist kaputt, es dominiert strohiges Gelb statt sattem Grün. Eingefasst sind darin zwei beheizte, aber wenig aufregende Becken, die das Wasser auch im Hochsommer gnadenlos auf 27 Grad erwärmen. Im 50-Meter-Sportbecken stehen immerhin acht Bahnen für sportlich Ambitionierte zur Verfügung - sogar im Winter. Dann bekommt das Becken allerdings eine Kunststoffhaube aufgesetzt und verliert damit die Berechtigung, sich Freibad zu nennen.
Im Sommer aber planscht man mit Blick auf den Berger Hang. Leider auch mit Blick auf die Baustelle. Das angeschlossene Hallenbad mit Fitnessstudio und Saunabereich bekommt derzeit eine neue Fassade. Gen Westen zieht sich die recht große Liegewiese hin zum Enkheimer Ried und garantiert Ruhe und Naturnähe, wenn man mal vom Flugverkehr absieht.
Trotz der Naturverbundenheit ist man im Riedbad nicht von der Außenwelt abgeschnitten, der Bus 42 fährt von der Endhaltestelle der U 7 zum Schwimmbad. Vor dem Eingang sind zudem zahlreiche Parkplätze und Fahrradständer, was einen entspannten Start in den Sommertag ermöglicht.
Die gute Laune kann indes, sofern man sich nicht selbst mit Essen versorgt, beim Gang zum Kiosk schnell dahin sein. Was die Bäderbetriebe einen "Imbissgarten" nennen, ist eine lieblose Ansammlung von Biergarnituren vor zwei Büdchen, die nicht über ein Wurst- und Pommes-Angebot hinauskommen. Wenn sie denn offen sind. "Unregelmäßige Öffnungszeiten" hat Claudia Gross bemerkt, die mit ihrem Sohn Leon in das Bad gekommen ist. Auch das wenig einladende Ambiente hat sie bewogen, lieber selbst Obst und Brot mitzubringen.
So gestärkt, haben Kinder und Jugendliche auf der Anlage genug Möglichkeiten, sich auszutoben. Ein Beachvolleyball-Feld, eine Tischtennis-Platte und eine separate Spielwiese gibt es. Und natürlich den Sprungturm, bei dem es bis zur Fünfmeter-Plattform nach oben geht. Für die Kleinsten gibt es ein beheiztes Planschbecken, das wie das gesamte Bad einen eher mittelmäßige Eindruck hinterlässt. Der setzt sich auch in den Toiletten fort. Nicht ekelerregend, aber auch nicht gerade gepflegt.
Vincenzo und Lorenzo ficht das nicht an, sie kommen seit Jahren nach Enkheim. Weil es einfach "das beste Bad ist". Und weil die Frauen hier Ausschau halten.

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