Ein Plus von 13,5 Prozent beim Anlagekapital seit September 2008 - viele Finanzhäuser wären neidisch auf dieses Ergebnis. Und das trotz hohen Risikoprofils. Florian Grohs kann zufrieden sein - und plant mit Wachstumsraten von zehn bis 15 Prozent. Der Ex-Mitarbeiter der Weltbank und DZ-Bank ist seit Juli deutscher Repräsentant der ökumenischen Genossenschaft Oikocredit aus den Niederlanden. Diese investiert in Menschen, so das Schlagwort der Entwicklungsgenossenschaft. Die Organisation ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Refinanzierer im Mikrofinanzbereich. Jetzt ist eines der acht Deutschland-Büros von Kassel nach Frankfurt umgesiedelt.
Pfarrer Stefan Weiß ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Oiko-credit-Förderkreises Hessen-Pfalz. "Gestartet sind wir als Verein, der sich dafür einsetzte, die Rücklagen von Kirchen in Armut statt in Banken zu investieren", erinnert sich Weiß an die 70er-Jahre. Zuletzt habe sein Förderkreis zweistellige Wachstumsraten bei Mitgliedern und Anlagesumme gehabt. Aktuell haben fast 1100 hessische Mitglieder rund sieben Millionen Euro investiert. Bundesweit sind 16200 Anleger in acht Förderkreisen zusammengeschlossen, ihr Anlagekapital beträgt 154 Millionen Euro. Insgesamt verfügte Oikocredit Ende 2008 über 358 Millionen Euro.
Was macht das Geschäft von Oikocredit riskant?
Die Mikrokredite, die von der Genossenschaft finanziert werden, gehen an arme Menschen in unterentwickelten Ländern, die häufig keine Sicherheiten bieten können. Dennoch hat Oikocredit in den vergangenen 20 Jahren stets die versprochene Rendite von zwei Prozent erbracht, ausgenommen zwei Jahre Asienkrise - da gab es nur ein Prozent für die Anleger. Das ist nicht viel, aber das Geld ist sicher angelegt und dient positiven Zwecken. Seit Gründung von Oikocredit 1975 hat kein Genosse sein Geld verloren, sagt Geschäftsführer Tor Gull. Und auf lange Sicht schaffen viele Aktien oder Fonds kaum mehr Rendite. Dafür haben diese Investments nicht den "social return", wie Gull den sozialen Mehrwert seiner Aktivitäten nennt.
Warum ist Oikocredit trotz riskanter Märkte erfolgreich?
Gull glaubt, die eigenen Investoren seien deshalb sehr treu, weil sie an das glauben, was Oikocredit tut. Sie sind zugleich Mitglieder der Genossenschaft, und die meisten von ihnen haben wohl nicht in erster Linie die Rendite ihres Geldes im Sinn. Wichtig sei auch die dezentralisierte Struktur mit elf Regional- und 25 Ländervertretungen. Die werden mit lokalen Mitarbeitern besetzt, weil diese die Kunden und deren Risiko sowie das allgemeine Umfeld viel besser einschätzen können als Außenstehende. Außerdem hält Oikocredit einen Risikopuffer in Höhe von 25 Prozent der vergebenen Kredite.
Wie können sich Anleger beteiligen?
Die Genossenschaft in Amersfoort ist von Hollands Finanzaufsicht genehmigt. Deshalb dürfen Anteile in Europa vertrieben werden. Eine Banklizenz hat Oikocredit nicht, braucht es aber zum Verleihen von Geld auch nicht, erklärt Grohs. Einlagen nimmt Oikocredit nicht, wer in die Genossenschaft investieren will, kauft Anteile für 200 Euro das Stück. Dazu ist eine Mitgliedschaft im jeweiligen regionalen Förderkreis nötig, die elf Euro im Jahr kostet. Bei einer Verzinsung von zwei Prozent reichen drei Anteile, um diese Kosten wieder reinzuholen.
Welche Kreditkriterien gibt es?
Oikocredit vergibt seine Darlehen, Bürgschaften und anderen Finanzierungen vornehmlich an Genossenschaften und andere Mikrofinanzorganisationen, teils aber auch direkt an kleine und mittlere Unternehmen. Unterstützt werden Projekte, die Arbeit und Einkommen für benachteiligte Menschen schaffen. Sie sollen den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt einer Region fördern, müssen wirtschaftlich und gut gemanaged sein. Besondere Beachtung gilt zudem der Frauenförderung und der Ökologie.

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