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07. Dezember 2012

RMV Fahrpreise: "Der RMV ist viel zu teuer"

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auf, seine Tarife zu reformieren. Diese sind für RMV-Kunden oft schwer zu durchschauen. Vor allem wer Stadtgrenzen überschreitet, muss tief in die Tasche greifen.

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Der Verkehrsclub Deutschland wirft den Verantwortlichen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) in vielen Punkten Schönrednerei vor. Der Sprecher des VCD-Hessen, Holger Greiner, fordert eine Tarifreform.

Herr Greiner, der RMV erhöht die Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent. Zu viel oder doch eher eine moderate Steigerung?

Nach unserer Einschätzung auf jeden Fall zu hoch. Selbst die Bahn kommt mit einer Steigerung von 2,8 Prozent aus. Die Begründung gestiegener Energiepreise muss man sich genauer anschauen. Die Inflationsrate von gut zwei Prozent wird ja im Wesentlichen von den höheren Preisen für Energie bestimmt. Wer um vier Prozent erhöht, hat ein Problem, das den Kunden zu vermitteln.

Lohnkosten werden auch gerne noch angeführt?

Die machen maximal 3,5 Prozent mehr aus. Der RMV steht wieder an der Spitze, wobei das Ausgangsniveau schon um 20 bis 30 Prozent höher ist als in vergleichbaren Verbünden.

Was machen denn die anderen Verbünde besser?

Wir haben vor wenigen Monaten einen Tarifvergleich gemacht. Natürlich lassen sich manche Ticketpreise nicht immer eins zu eins vergleichen. Herausgekommen ist, dass der RMV unter den Verbünden in Ballungsräumen fast immer zu den teuersten gehört. In Hamburg kostet der Einzelfahrschein zwar mit 2,85 Euro etwas mehr, aber der gilt für den gesamten Großraum einschließlich des Speckgürtels um die Hansestadt. In Frankfurt sind künftig 2,60 Euro zu zahlen. Da komme ich aber nicht weit. Das Hamburger Tarifgebiet zugrunde gelegt, könnte man damit von Wiesbaden bis Hanau oder von Gießen bis Darmstadt fahren.

Wer im RMV Stadtgrenzen überschreitet, zahlt salopp gesagt noch einen „politischen“ Preis obendrauf.

Das ist ein großes Ärgernis. Wer nach Offenbach fährt, zahlt künftig 4,25 Euro, nach Hanau sind jetzt schon 7,30 Euro fällig.

Greift der RMV den Kunden also dreist in die Geldbörse?

Der RMV spricht von seinen so tollen Leistungen. Er führt auch seinen angeblich so hervorragenden Kostendeckungsgrad von 56 bis 58 Prozent ins Feld. Unser Vergleich hat aber ergeben, dass Hamburg 68 Prozent der Kosten durch den Ticketverkauf deckt.

Kritik gibt es immer wieder auch am etwas undurchsichtigen Tarifsystem.

Die ist auch berechtigt. Für die schon erwähnten 20 Kilometer von Hanau nach Frankfurt zahlt der Fahrgast genauso viel (7,30 Euro) wie für die 50 Kilometer von Idstein nach Frankfurt. Das sind krasse Tarifsprünge. Über Stadtgrenzen hinaus wird es durch die neuen Stadtpreisstufen noch undurchsichtiger. Fahrgäste sind an einem einfachen, transparenten Tarifsystem interessiert, das ein vernünftiges Preis-/Leistungsverhältnis beinhaltet.

RMV-Geschäftsführer Knut Ringat hat kürzlich die Pünktlichkeit der S-Bahnen hervorgehoben. Über 96 Prozent aller Züge seien pünktlich.

Als unpünktlich gilt aber derzeit nur, was mehr als sechs Minuten Verspätung hat. Das ist im Nahverkehr ein fragwürdiges Kriterium, da so Anschlüsse verloren gehen. Es soll aber irgendwann auf drei Minuten herabgesetzt werden.

Wir stehen kurz vor Weihnachten, welche Wünsche an den RMV haben Sie denn?

Der RMV jubelt ja gerade sein 65-plus-Ticket hoch. Das hat aber keine soziale Komponente und es gibt es nicht als Monats- oder Wochenkarte. Im Rhein-Neckar-Verbund gibt es ein Ticket, das für das gesamte Tarifgebiet nur 73 Euro im Monat kostet. Das ist eine echte Alternative zum Autoschlüssel. Für das Stadtgebiet Frankfurt allein kostet es 78,50 Euro, für das RMV-Gebiet 238 Euro. Für Kinder müsste auch mehr getan werden. In München und Hamburg zahlen Kinder kaum mehr als einen Euro, für den Verbund höchstens zwei. Hier steigt der Preis von Zone zu Zone bis auf acht Euro.

Wünsche an die Politik?

Das Land Hessen hat von der Allianz Pro Schiene die Rote Laterne verliehen bekommen, weil es sich seit Jahren aus der Förderung des ÖPNV zurückgezogen hat. Dafür wird der Straßenverkehr oder der Flughafen in Kassel gefördert. Das spricht nicht für kluge Klimaschutzpolitik.

Das Interview führte Jürgen Ahäuser.

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