Nach Ansicht des Sinti- und Roma-Verbandes erfahren hessische Schüler zu wenig über die Vorurteile gegen ihre Gruppe und deren Verfolgung.
Verbandsvorsitzender Adam Strauß betonte vor den Vertretern des Landtags, „dass die Themen Antiziganismus und die Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma als Bildungsstandards in allen Schulformen verankert sein müssten“. Offenbar vertrete das Kultusministerium die Ansicht, dass Antisemitismus bearbeitet werden müsse, Antiziganismus aber nicht, befand Strauß. Als „Antiziganismus“ bezeichnet man die Feindseligkeit gegenüber Sinti und Roma. Auch bei den Lehrkräften fehle das Wissen über den Antiziganismus, sagte der hessische Verbandsvorsitzende. Strauß stützte sich auf eine Umfrage unter Lehrern, wonach nur wenige sich im Studium mit dem Thema befasst hätten.
„Hornhaut auf der Seele“ heißt eine Ausstellung zur Geschichte der Verfolgung von Sinti und Roma in Hessen.
Sie zeige, „wie wichtig es ist, sich den Anfängen von Vorurteilen, Klischees und Ressentiments entgegenzustellen“, sagte Landtags-Vizepräsident Lothar Quanz.
Bis zum 31. Januar wird die Ausstellung im Landtag, Schlossplatz 1-3, in Wiesbaden gezeigt. Voranmeldung ist unter 0611/350291 erforderlich.
Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr.
Führungen mit dem Historiker Udo Engbring-Romang, der die Ausstellung konzipiert hat: 18. Januar, 14 Uhr; 19. Januar, 16 Uhr; 26. Januar, 16 Uhr. (pit)
Das Kultusministerium wies die Vorwürfe auf Anfrage zurück. Das Thema Sinti und Roma sei bisher in allen Schulformen in den Lehrplänen verankert, sagte Ministeriumssprecher Nicolas Wolz der Frankfurter Rundschau. In den künftigen „Bildungsstandards“ würden „festgelegte Inhalte nicht mehr nach Themen differenziert“. Von den Lehrkräften würden aber „Aspekte des Antiziganismus aufgegriffen, so wie das auch mit Aspekten des Rassismus erfolgen wird“, sagte Wolz.
Lehrerinnen und Lehrer könnten Fortbildungen zum Thema wahrnehmen. So habe es erst im November eine Fachtagung „Sinti und Roma – (k)ein Thema im Unterricht?“ gegeben, bei der ein Vertreter des Verbandes der Sinti und Roma gesprochen habe. In der Einladung schrieb Kultus-Staatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU) damals, das Land bemühe sich seit Jahren, „die Unkenntnis über Geschichte und Kultur sowie die Vorurteile gegenüber den Sinti und Roma insbesondere bei Schülerinnen und Schülern abzubauen und dazu Lehrkräfte entsprechend zu informieren und fortzubilden“.
Die Linke nutzte die Eröffnung der Ausstellung zu einem Appell, Schutzbedürftigen aus dem Kosovo ein Bleiberecht zu gewähren. Hessen schiebt Menschen nach Kosovo ab, darunter auch Roma und Aschkali. Linken-Fraktionschef Willi van Ooyen sagte, eine Lehre aus der Geschichte laute: „Vor Unterdrückung, Verfolgung und Krieg fliehenden Menschen muss Schutz gewährt werden.“
In der nächsten Woche entscheidet der Innenausschuss des Landtags über einen Linken-Antrag, Abschiebungen in den Kosovo zu stoppen. SPD und Grüne wollen keinen generellen Stopp, aber einen Schutz für Roma und andere verfolgte Minderheiten. CDU und FDP wollen nicht zustimmen. Sie plädieren für Entscheidungen im Einzelfall.

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