Jo Dreiseitel wird nicht mehr für eine dritte Wahlperiode als Bürgermeister in Rüsselsheim kandidieren. Dies teilte der 59-jährige Grünen-Politiker gestern mit und führt dafür persönliche und berufliche Gründe an. Die Form des Rücktritts hat für Verstimmung bei Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) gesorgt.
Jo Dreiseitel wurde am 11. März 1952 in Gernsheim geboren. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.
Nach einer Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notariatsgehilfe legte er 1974 das Wirtschaftsabitur ab. Ab 1975 studierte er Sozialarbeit in Fulda mit Schwerpunkt Jugend- und Erwachsenenbildung. Von 1978 bis 1989 war er Leiter des Jugendbildungswerks.
In die Opel-Stadt kam er im Jahr 2000, wo er am 1. Juli zum Jugend- und Sozialdezernenten gewählt wurde. Schul- und Kulturdezernat folgten 2004. Seit dem 12. Oktober 2006 ist Dreiseitel Bürgermeister der Stadt.
Dreiseitels Rückzug bedeutet, dass er zum 12. Oktober aus dem Amt ausscheiden wird. Bis dahin werde er sich mit „voller Kraft“ und „hoher Verantwortung“ weiter den Aufgaben widmen. Dreiseitel ist seit Juli 2000 hauptamtliches Magistratsmitglied.
Wie der Kultur- und Sozialdezernent sagt, sei er stolz und dankbar, dass er zwölf Jahre für die Weiterentwicklung Rüsselsheims habe arbeiten dürfen. Doch nach dieser Zeit treibe es ihn zu neuen Ufern. Genauere Angaben wollte er noch nicht machen. Nach Jahren mit nur wenigen freien Tagen und Wochenenden sehne er sich danach, wieder mehr seinen Interessen nachgehen zu können. Dazu gehörten vor allem das Reisen und Lesen.
Nachfolger noch unklar
Er habe in der Sitzung der Fraktion am Montag der Partei seinen Entschluss mitgeteilt, am Dienstag den Koalitionspartner SPD informiert, und jetzt wende er sich an die Öffentlichkeit. Zu einer möglichen Nachfolge wollte er sich nicht äußern. Für die zählt wohl der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Dennis Grieser, zur ersten Wahl. Doch auch der wollte gestern noch nichts dazu sagen.
Nach den Regularien wird ein Wahlvorbereitungsausschuss die Amtsnachfolge für den Bürgermeister und die ebenfalls vakante Stelle eines Dezernenten in die Wege leiten. Die Parteien haben mittlerweile dem Stadtverordnetenvorsteher Heinz Schneider (CDU) die Mitglieder dieses Ausschusses benannt. Schneider hat bereits zu einer ersten Sitzung für Donnerstag, 26. Januar, eingeladen. Der Wahltermin steht fest: Am 19. April soll die Stadtverordnetenversammlung sowohl den neuen Bürgermeister als auch den hauptamtlichen Stadtrat wählen. Bei den Grünen werde es jetzt ein Findungsverfahren für den Nachfolger geben, sagt die Parteivorsitzende Maria Schmitz-Henkes. Sie würdigte den scheidenden Bürgermeister als Glücksgriff für Partei und Stadt. Sie schätze seine Arbeit „unendlich hoch“. Dazu gehöre auch, dass er einen erfolgreichen OB-Wahlkampf geführt habe, bei dem er nur denkbar knapp unterlegen sei.
Der Oberbürgermeister lässt indessen über Stadt-Pressesprecher Thomas Ulmer mitteilen, dass er vom Rücktritt aus der Presse erfahren habe. Er hätte sich gewünscht, dass ihn Dreiseitel über den Verzicht früher und persönlich informiert hätte. Der Oberbürgermeister lobte jedoch den Grünen-Politiker als guten OB-Kandidaten und würdigen Gegner. Jens Grode, Fraktionsvorsitzender der SPD, betonte die angenehme Zusammenarbeit. Dreiseitel habe immer für Rot-Grün gestanden. Der Rückzug Dreiseitels sei eine Entscheidung, die er respektiere. (ers.)

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