Er sieht bleich aus, eher künstlich, fast wie ein meisterhaft gefertigtes Modell. Doch der Schädel hinter Glas in der Vitrine der Senckenbergischen Anatomie der Goethe-Universität Frankfurt ist echt. Ein dicker Halsmuskelstrang ist freigelegt, die Nervenbahnen sind zu sehen. Dass es sich bei dem Ausstellungsstück um den Rest eines Menschen handelt, gerät bei einem Gang durch die Sammlung des Instituts auf dem Gelände des Universitätsklinikums bald in den Hintergrund.
Ein paar Meter weiter liegt eine aufgeschnittene Lunge in Flüssigkeit. „Hier die Rußpartikel“, deutet Christof Schomerus auf einen für Laien kaum erkennbaren Belag, „sie könnten von der Arbeit im Bergwerk stammen.“ Der Mann mit solchem Kennerblick ist Prosektor im Anatomie-Institut. Der Begriff stammt aus dem Mittelalter, der „Vorschneider“ bereitete die aus Leichen gewonnenen Präparate für Unterricht oder Sammlungen vor, heute verwaltet er die Körperspenden.
Die Schau der für die Nachwelt präparierten Körperteile aus der Sammlung von Dietrich Starck wird hauptsächlich von Studenten genutzt, steht aber auch Laien offen. Die meisten Exponate stammen aus den 50er Jahren, erklärt Schomerus: Organe in unterschiedlichen Querschnitten, ausgeräumte Schädelhälften, ein Gehirn.
Auch einige Plastinate gehören zur Sammlung. Hände und Füße, nicht bunt wie bei Gunther von Hagens, sondern blass-bläulich verfärbt mit wächsernen Fingernägeln. Grauen verbreiten besonders die Exponate der embryologischen Sammlung, in der missgebildete Föten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien ausgestellt sind.

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