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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

23. Januar 2015

Salafismus: „Imame müssen mehr Kritik zulassen“

 Von Elisa Rheinheimer-Chabbi und Hanning Voigts
Mit einem Sprengstoffspürhund durchsucht eine Polizistin den hessischen Landtag vor der Salafismus-Anhörung.  Foto: dpa

Der hessische Landtag setzt seine öffentliche Salafismus-Anhörung fort und diskutiert die Radikalisierung von Jugendlichen. Vertreter der Polizei-Gewerkschaft fordern schärfere Gesetze und die Vorratsdatenspeicherung.

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Mit Reden von mehr als 20 Experten hat der Hessische Landtag am Donnerstag seine öffentliche Anhörung zum radikalen Salafismus fortgesetzt. Die Debatte war vom Innen-, Kultur- und Sozialausschuss gemeinsam beschlossen und in der vergangenen Woche begonnen worden.

Der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, sagte, Sicherheitspolitik reiche zur Bekämpfung des Problems nicht aus. Vielmehr müsse man mit mehr Islamunterricht, Jugendarbeit und Armutsbekämpfung die Perspektivlosigkeit angehen, die der Radikalisierung von Jugendlichen einen „fruchtbaren Boden“ biete. Zugleich müssten Koransuren, die von Dschihadisten zur Legitimierung von Gewalt genutzt würden, stärker historisch eingeordnet und theologisch diskutiert werden.

Der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour betonte, muslimische Jugendliche müssten gerade in der Schule dazu befähigt werden, über ihre Religion zu reflektieren. Ein autoritäres Islamverständnis werde nicht nur bei den Salafisten, sondern auch in vielen Moscheen gepredigt, betonte Mansour: „Imame, die auf Angstpädagogik beharren und kritische Fragen nicht zulassen, sind Teil des Problems.“

Gudrun Neebe, Leiterin des Pädagogisch-Theologischen Instituts in Kassel, unterstrich die Bedeutung der Präventionsarbeit. Es sei wichtig, den Islam differenziert zu betrachten und Jugendliche zur „Pluralitätsfähigkeit“ zu erziehen, sagte Neebe. Vertreter von allen Polizeigewerkschaften forderten dagegen schärfere Gesetze, eine bessere personelle Ausstattung der Polizei und die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung. Es bestehe großer Handlungsbedarf, weil „wir nicht mehr einfach von einer heilen Welt ausgehen können“, sagte etwa Heini Schmitt vom Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Gefängnis-Seelsorger gefragt

Islamische Verbände kritisierten einerseits eine pauschalisierende Medienberichterstattung, riefen andererseits aber auch zur inner-islamischen Diskussion auf. „Floskeln wie ‚Das hat nichts mit dem Islam zu tun‘ bringen uns nicht weiter“, sagte der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen, Ramazan Kuruyüz. Andere muslimische Vertreter forderten konkrete Schritte, um Radikalisierung zu verhindern: mehr Muslime in journalistischen Gremien, mehr muslimische Gefängnis-Seelsorger, in Deutschland ausgebildete Imame und eine staatliche Anerkennung von Islamverbänden als Kooperationspartner – nicht nur im Bereich der Sicherheitspolitik. Raniah El-Jezawi von der Muslimischen Jugend in Deutschland betonte, dass auch die Identitätsfrage eine wichtige Rolle spiele und klar werden müsse, dass „deutsch sein und muslimisch sein kein Widerspruch ist“.

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