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Sanierungen in Frankfurt: Nur rausschaffen

Die Entwicklung eines Konflikts in Zeitlupe: Die Bürgerversammlung zur geplanten Sanierung des Mainfeldes im Stadtteil Niederrad geräft zum hitzigen Schlagabtausch. Von Jürgen Schultheis

Sanierungsgebiet Mainfeld im Frankfurter Stadtteil Niederrad.
Sanierungsgebiet Mainfeld im Frankfurter Stadtteil Niederrad.
Foto: FR/Kraus

Das Mainfeld zubetonieren, 2000 Mieter vertreiben zu wollen statt zu renovieren und zu sanieren - kaltschnäuzig und menschenverachtend sei das, was Wohnheim und ABG Holding da betreiben, sagt Ute Kampschulte, Vorsitzende des Mietervereins am Montagabend im Verlauf der Bürgerversammlung in Niederrad. Es geht um die Zukunft des Quartiers, um Ideen, die Architekten mehrerer Büros für das Mainfeld entwickelt haben. Ideen, die der Leiter des Stadtplanungsamtes, Dieter von Lüpke, und der Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG, Frank Junker, erläutern wollen.

Denn das Mainfeld soll anders, moderner, schöner werden, soll sich öffnen hin zum Main und über Neubauten wie über grundsanierte Hochhäuser verfügen. Aber soll sich etwas ändern? Die Mehrzahl der Zuhörerinnen und Zuhörer klatscht jedenfalls demonstrativ Beifall, als ein Bewohner davon spricht, dass im Mainfeld "nichts geändert werden soll, auch nicht der Park", weil sich das doch über Jahre bewährt habe.

Überhaupt all diese Ideen: Umzug von Druckerei und Tankstelle weg vom Haardtwaldplatz, um - wie es manche Architekten vorschlagen - eine Sichtachse und damit einen grünen Durchgang zum Main zu schaffen. "Wer soll das alles finanzieren", fragt der Mann aus der Kelsterbacher Straße.

"Wir leben wohl in der denkbar besten aller Welten", antwortet Dieter von Lüpke mit feiner Ironie in einer Diskussion, die am Anfang kontrovers, später hitzig und am Ende in teilweise aggressivem Ton geführt wird. Eine Diskussion, in der von Lüpke wie später auch ABG-Chef Junker vergeblich gegen teils festgefügte Vorurteile und Ressentiments anreden, die von Teilen der Linken noch stimuliert werden.

Linken-Fraktionschef Lothar Reininger fragt, ob angesichts der vorgeschlagenen Neubauten mit Mainblick dort Sozialwohnungen entstehen sollen oder eher Wohnraum "für die Haute-Volée". Wenn das so wäre, sagt Junker, "wäre das ganz schlimm". Es gehe vielmehr darum, in einem Quartier "mit ein paar Problemlagen" soziale Ausgewogenheit herzustellen.

Viele wollen nicht hören

Junker erinnert daran, dass Wohnungen oder Häuser mit sozialer Bindung, die abgerissen würden, nur durch Häuser und Wohnungen ersetzt werden könnten, die unter diese Bindung fallen. Und die letzte Sozialbindung läuft im Mainfeld im Jahr 2076 aus. "Es geht um eine sozialverträgliche Mischung."

Der AGB-Chef bekräftigt wie auch von Lüpke immer wieder, dass es sich im Moment um Ideen handele und die Jury zweite und dritte Preise vorgeschlagen hat, von denen am Montagabend vier Vorschläge näher erläutert werden. Ob nun Grundsanierung oder möglicher, aber nicht beschlossener Abriss: Junker sichert zu, in diesem Falle auch schriftliche Vereinbarungen zu treffen, dass Mieter, die ihr Haus verlassen müssen in der Sanierungsphase, auch wieder in die vertraute Wohnung zurückkehren könnten.

Und auch die Kleingärtner würden, falls sie Flächen abgeben müssten, anderorts neue Fläche erhalten. Aber so richtig hören will das ein großer Teil nicht. "Die wollen uns doch nur rausschaffen", ruft eine Frau.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  1 | 6 | 2010
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