Manche mögen es heiß. Extrem heiß. Beate Kopsierk (47) ist so eine, die beim Saunieren immer ganz oben auf der Bank sitzt und die Aufgüsse genießt. Oder Eddi Köhler (38). Die beide sind Mitglieder des ersten hessischen Saunavereins. Sie nennen sich Saunaritter und stammen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.
Seit Freitag tragen die Freunde der extremen Schwitzkultur ihren ersten World-Cup aus. 28 Teilnehmer sind angereist aus Belgien, Polen, aus Finnland, Hessen oder Bayern. Dass die amtierende deutsche Meisterin Kopsierk in Rödermark mit von der Partie ist, versteht sich fast von selbst.
Der Saunaritter-World-Cup wird am heutigen Samstag um 14 Uhr fort-gesetzt. Zuschauer zahlen 2 Euro.
Die Adresse: Saunaburg in Rödermark/ Ober-Roden, Kapellenstraße 3.
Die Trainingszeiten der Saunaritter sind jeden Mittwoch ab 18 Uhr in der Saunaburg. Zum Einstieg um 19 Uhr gibt es den Ritteraufguss bei 90 Grad, um 20 Uhr folgt der Kultaufguss "Schlag den Klaus", um 21 Uhr der 110-Grad-
Ritteraufguss, gegen 22.30 Uhr klingt der Abend bei einem Bieraufguss mit Dosenbier und Musik aus.
Weitere Informationen im Internet unter www.saunaritter.de ( jur)
Der Countdown läuft. Im Gänseschritt marschiert die nächste Gruppe aus dem Dampfbad, in dem sie sich vorgeheizt hat. Es geht rüber in die Sauna. Grundtemperatur: rund 120 Grad. Die sind nicht eigentlich anstrengend. Zum Leistungssport wird das ganze erst durch die hohe Luftfeuchtigkeit. Permanent tropft Wasser aus dem Eimer über dem Ofen.
Gekrümmt hocken die Wettkämpfer. die Startnummern sind auf die Oberarme gemalt, in Badekleidung auf den befeuchteten Holzbänken. Wer es am längsten aushält, bekommt die meisten Punkte, der erste, der die Kabine verlässt, die wenigsten. Nach rund vier Minuten ist die erste Runde vorbei. Sechs gibt es insgesamt an den beiden Tagen.
Durchhalteparolen
Diese Leute hier suchen nicht Wellness und Entspannung wie der normale Saunabesucher. Sie suchen das Grenzerlebnis. "Das gibt einem schon einen Kick", sagt die deutsche Meisterin. Und trainiere die Selbstdisziplin: "Man muss sich auch überwinden, bei der Hitze."
Anfeuerungsrufe, laute Durchhalteparolen. "Michi, Michi." "Paula, Paula." Krebsrote Arme und Beine schieben sich durch die Holztür: Die nächste Gruppe verlässt peu à peu die Kabine. "Mein Hintern brennt", sagt eine Frau. Die hohe Luftfeuchtigkeit verstärkt das Hitzeempfinden, erschwert das Atmen.
Doch die 28 Leute hier sind das gewöhnt. Keiner macht schlapp. "Kampfsaunieren ist gesund", versichert Eddi Köhler. "Das ist kreislaufstabilisierend, stärkt die Durchblutung und die Abwehrkraft." Und es ist ein generationsübergreifendes Hobby. Die jüngste Teilnehmerin ist die 14-Jährige Finnin Evelina Rämö.
So einige versuchen mit Tricks ihre Chancen zu erhöhen. Ein Mann nimmt vor dem Start ein Bad im eiskalten Tauchbecken. Andere schütten literweise Wasser in sich hineinj, bevor sie an den Start gehen. Beate Kopsiek schwört auf viel trinken, trockene Haare und: "Man muss möglichst ruhig sitzen bleiben."
In Finnland sind Saunawettkämpfe nichts ungewöhnliches. Dort wurden sie erfunden, dort findet im August die elfte Saunaweltmeisterschaft statt. Da verwundert es kaum, dass der amtierende fünffache Weltmeister und Top-Favorit in Rödermark ein Finne ist: Timo Kaukonen, der im Dezember bereits das Thermische Quartett der Saunaritter gewonnen hatte.
National kommt vor der Sauna-WM in Finnland erst noch im Juni die deutsche Meisterschaft in Stralsund. Die Saunaritter sind selbstverständlich dabei.

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