Dieser Schreibtisch ist zweckdienlich, ein temporärer Ort der Arbeit, nicht notwendig ein Platz für Ideen, die auch andernorts aufblitzen können. Er dient als solide Arbeitsgrundlage, bietet Fläche für Akten und Persönliches, ein Tisch, der dem Besucher weder Macht noch Einfluss demonstrieren will und der mit einem gekrönten Frosch ein fröhlich-schmunzelndes Willkommen anbietet. Dieser Schreibtisch ist ein Arbeitsgerät, dass auf stille, auf unprätentiöse Art die Eigenschaft des Platzherrn symbolisiert, der von nächster Woche an die Kommunikationsstrategie eines der größten Verkehrsflughäfen der Welt steuern und vermitteln wird.
Jürgen Harrer sitzt an diesem Tisch. Harrer, der designierte Fraport-Kommunikationschef, ist so etwas wie die lebendige Seite dieses soliden Arbeitsgerätes, ein Rhein-Mainer aus Hainburg, bald 36 Jahre alt, erfahren in der landespolitischen Kommunikation, als CDU-Partei- und Fraktionschef engagiert in der Heimatgemeinde und neben seiner Rolle als Ehemann und Vater vierjährigen Zwillingstöchter vor allem eines - ein Schalke-Fan.
Der Kommunikationschef des Eintracht-Sponsors ein Schalke-Fan? Ja, ja, das geht, und wer im ganz langen Schatten des Bieberer Berges aufgewachsen ist, der kann nicht auf den rot-weißen Adler vom Main setzen. Und weil das Spiel der Kickers nicht zu allen Zeiten berauschend war, lässt sich Harrer in Jugendtagen von der Atmosphäre des Parkstadions in Gelsenkirchen beeindrucken. Seither schlägt sein Herz für die Magath-Truppe. Der Zufall hat den jungen Hainburger auf Schalke geführt, und der Zufall hat ihn zu Fraport gebracht.
"Lebensplanung, das hab´ ich lange aufgegeben", sagt Harrer. Pädagoge hatte er werden wollen, weil ihn seine Lehrer am Franziskaner-Gymnasium in Groß-Krotzenburg beeindruckten. Er spricht von Vorbildern, von Erwachsenen, die Kindern und Jugendlichen ein Beispiel geben können und davon, dass Erwachsene eben das häufig nicht mehr sind. Als Schüler und nach dem Abi jobbt er bei Fraport, steigt später befristet für ein paar Monate in die Presseabteilung ein. Die Tätigkeit fasziniert ihn, und Altvordere wie Klaus Busch und Wolf-Dieter Schaller erkennen sein Talent. Ein Gastspiel als Sprecher für Finanzminister Karlheinz Weimar legt er zwischen 2004 und 2009 ein.
Jetzt steht er an der Spitze der Kommunikationsabteilung und spricht für ein Unternehmen, das im nahen Flughafenumfeld umstritten ist. Zweifel an zugemuteter Belastung, gerade wegen des Fluglärms, hat Harrer nicht. Aber der Ton ändert sich, wenn der 35-Jährige eben noch über Hainburg, ehrenamtliches Engagement, Bundeswehrzeit und Vorbilder in diesem einnehmenden, leicht dialektgefärbtem Ton spricht und nun über den Ausbau des Airports in einem kühleren Arbeitston referiert. Kritik, sagt Harrer, die müsse man ernst nehmen, aber auch sagen, dass der Flughafen massiv Arbeitsplätzen geschaffen habe und als Investor den regionalen Mittelständler nutze, während andere große Firmen ihr Personal massiv reduziert hätten.
Harrer spricht auch davon, dass schlechte Nachrichten Schlagzeilen machten, Informationen zum Thema Aufforstung und Arbeitsplatzzunahme aber nicht die Resonanz hätten wie "bad news". Für die neue Aufgabe fühlt sich Harrer gerüstet, eine große Last spüre er deshalb nicht. Die Inbetriebnahme der Landebahn ist das große Thema der nächsten Zeit. Es wird jetzt vor allem sein Thema sein.
Sich selbst treu bleiben, so leben, dass man Vorbild sein kann, dem Gegenüber vertrauen können - darauf kommt es Harrer an. Treu geblieben ist er jedenfalls der Heimat - das Schalke-Maskottchen heißt Erwin - wie das einst legendäre Kickers-Fan-Magazin.

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