"Sie müssen nicht mehr so lange hungern. In 20 Minuten wird es Verpflegung geben“, ruft der Mann vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) am Montag Abend um kurz vor acht ins Megafon. Gerichtet ist seine Ansage an diejenigen, die Stunden vorher ihre Wohnungen verlassen mussten. Instabile Kräne drohten zu kippen.
Rolf-Dieter Kind war gerade in seiner Wohnung im Valentin-Unkelbach-Weg, als er Bauarbeiter auf dem Nachbargrundstück böse fluchten hörte. Als er auf den Balkon ging, um nachzusehen, wurden die Stimmen noch lauter: „Was machen Sie da? Kommen Sie runter!“, wies ihn die Polizei an. Kind warnte die Nachbarn und ging auf die Straße. Das war gegen viertel nach vier.
Wenige Minuten davor war ein Baukran beim Aufbau fast umgefallen. Weil er zu nah an der Baugrube aufgestellt wurde, gab die Erde nach und der Kran kippte zur Seite weg. Der Teil des Krans, der das in die Höhe ragende gelbe Gerüst eigentlich stabilisieren soll, hing von nun an anderthalb Meter in der Luft.
Die Folge: Der Rumpf des Krans – also der Teil, der in die Höhe ragt – stand schief und drohte umzustürzen. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), der sich ein Bild von der Lage machte, nannte es „abenteuerlich“, den Kran so nah an der Grube aufzubauen, und deutete an, dass das wohl noch ein Nachspiel haben werde. Personen kamen am Montag nicht zu Schaden. Die Aufregung jedoch war groß: „Erst mussten wir nur auf die Straße“, berichtet Kind. „Dann sollten wir weiter von der Baustelle weggehen. Irgendwann sagte man uns, wir sollten ins Hotel.“ Da blieb er dann – mit vielen anderen Leuten, die ebenfalls raus aus den eigenen vier Wänden mussten.
„Massive Gefahr“
160 Leute waren aus fünf Häusern waren betroffen. Drei Häuser im Valentin-Unkelbach-Weg, zwei auf der Dornbuschstraße. Der Spessartring wurde von vier Uhr an bis in den Abend zwischen Waldstraße und Buchhügelallee gesperrt. „Wenn der Kran stürzt, könnte er bis auf das Gebäude des DRK fallen“, so Feuerwehr-Einsatzleiter Michael Eiblmaier bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Abend. Es bestand „massive Gefahr“, betonte Eiblmaier. Weil der Baukran gerade erst aufgebaut wurde, wurde der Querausleger des Krans noch von einem anderen Kran gehalten.
Kind und die anderen blieben im Hotel. Unterdessen kümmerten sich die Einsatzkräfte um den Kran. Die größte Gefahr sicherten sie, indem sie am Nachmittag ein Drahtseil um den schiefen Kran zogen, das von einem großen Abschleppwagen gehalten wird. 14 bis 20 Tonnen lasteten laut Eiblmeier auf dem Seil.
In der Nacht wurde der Kran abgebaut, die Anwohner durften gegen 0:30 Uhr in ihre Wohnungen zurück, berichtete ein Polizeisprecher in Offenbach am Morgen. Der Kran wurde mit Hilfe von Zusatzkränen von mehreren Seiten demontiert. Die gesperrten Straßen wurden am Morgen wieder für den Verkehr freigegeben.

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