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Schönheits-Wettbewerb: Schwarzbunt mit Toupet

300 Kühe auf dem Laufsteg in Alsfeld. Mae ist die Schönste im Land. Von Gesa Coordes

Ohne Make-up geht gar nichts beim Wettbewerb um die schönste Kuh.
Ohne Make-up geht gar nichts beim Wettbewerb um die schönste Kuh.
Foto: Wegst/FR

Kuhfrisör Christian Wichert ist voll im Stress: Der Experte bürstet die Kühe von Landwirt Eckhard Hauck mit Haargel, Fön und Bürste in Form. Vor allem die "Top-Line", ein schmaler Haarstreifen auf dem Rücken der Kuh, muss zu einem gerade aufragenden Kamm hochgefönt werden.

In der Alsfelder Hessenhalle, zwei Stunden vor Beginn von "Hessens Zukunft", riecht es nach einer Mischung aus Frisörsalon, Parfüm und Kuhmist. Mehr als 300 Kühe aus Hessen und Thüringen kämpfen um den Titel der schönsten Kuh Hessens, den Hessenchampion 2010.

Hessens Zukunft

"Hessens Zukunft" gilt als wichtigste Veranstaltung für die hessischen Milchviehhalter. Sie wird von der Zucht- und Besamungsunion Hessen ausgerichtet. Internationale Preisrichter ermitteln in den Rassen Holstein, Fleckvieh, Braunvieh und Jersey die Sieger, aus denen dann der Hessenchampion gewählt wird.

Nach der Viehzählung weisen Hessens Rinderbetriebe insgesamt 482.000 Rinder auf, davon knapp 150.000 Milchkühe. 2009 wurden in Hessen 24.000 Tiere mit einem Umsatz von 12,8 Millionen Euro vermarktet. Das Gros der hessischen Halter kommt aus Waldeck-Frankenberg, Vogelsberg, dem Raum Fulda und dem Odenwald. (gec)

"Das ist das Mekka der hessischen Rinderzüchter", erklärt Bauer Hauck aus dem nordhessischen Gemünden-Schiffelbach. Der 29-jährige Landwirt hat kaum geschlafen. Schließlich war in den vergangenen zwei Jahren eine seiner Rindviecher die Miss Hessen unter den Kühen. In der Nacht hat er seinen Tieren immer wieder Heu vorgelegt, damit ihre Bäuche am nächsten Morgen so schön rund sind, wie es die Preisrichter sehen wollen.

Prall soll auch das Euter sein, sich möglichst hoch angesetzt und kastenförmig präsentieren -- vor allem eine Frage des exakten Melkens. Sprungbereit sorgt Bauer Hauck mit einem grünen Eimer auch für Toiletten-Sonderservice, um bei Bedarf die Kuhkacke aufzufangen. Liebevoll wischt er den Kühen dann noch den Hintern ab. Schließlich sollen sich die neun Tiere in blitzsauberem Zustand präsentieren. Dazu wurden sie schon am Vortag gründlich geduscht und mit Kuhshampoo von Stallgeruch und Staub befreit - geschoren hat er sie noch im heimischen Stall.

Bauer Manfred Uhrig aus Sulzbach hat mit Cowboy Jason Danhoff sogar eigens einen Kuhfrisör aus den USA eingeflogen. Die Anforderungen seien dieselben "wie bei Models". Groß und schlank müssten die Tiere sein. Magerkeit ist allerdings nicht angesagt. Aber natürlich müsse der Blick des Tieres feminin sein.

"Das ist wie bei einer Frau", sagt die Hünfelder Landwirtin Simone Seng: "Die Vorteile werden hervorgehoben, die Nachteile ein bisschen kaschiert." Und dazu greifen fast alle Teilnehmer tief in die Trickkiste. Die schwarzbunte Lory zum Beispiel, hat in ihrem weißen Fell eine kleine Schnittwunde vom Scheren. Simone Seng sprayt weißes Kuh-Make-up, um die rote Strieme zu übertünchen. "Hier arbeiten alle mit Make-up", sagt sie lachend.

Und kaum eines der Tiere ist natürlich entstanden: Fast alle ihre Mütter wurden künstlich besamt. Und so drehen sich die Unterhaltungen denn auch oft um die Bullenväter. "Wenn man weiß, was welcher Bulle vererbt und wenn man Glück hat, bekommt man etwas Gutes heraus", erläutert Landwirt Hauck.

Am Schönheits-Wettbewerb der Kühe beteiligt er sich natürlich nicht nur wegen des Prestiges. Er will sich mit dem Zuchtvieh ein zweites Standbein aufbauen: "Das ist Werbung für den Betrieb", sagt der 29-Jährige. Kurz vor der Vorführung werden seine Tiere noch einmal mit Babyöl und Glanzspray eingerieben, damit das Fell schön glänzt. Um das Schwanzhaar zum Wallen zu bringen, wird es wie bei Pferden auftoupiert. Nur eine Schwarzbunte muss ein Toupet tragen. Ihr Schwanz ist zu kurz, um den Schönheitsnormen zu genügen.

Erster Auftritt mit Jungkuh "Partygirl": Die Schwarzbunte hat ganz offenbar nicht so richtig Lust auf den Catwalk vor den Preisrichtern. Hauck, in strahlend weißer Hose und Hemd, muss Partygirl kräftig nach vorn zerren. Stunden später steht der Hessenchampion fest: Die schwarzbunte Mae aus dem thüringischen Rinderzuchtbetrieb Wiesenfeld. Aber auch Haucks Tiere schnitten hervorragend ab: Mit drei Siegerkühen ist er der zweiterfolgreichste Züchter - gefolgt von Bauer Uhrig mit zwei Siegerkühen.

Autor:  Gesa Coordes
Datum:  8 | 2 | 2010
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