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Rhein-Main und Hessen
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24. Januar 2011

Schüler scheitert mit Klage: Keine mittlere Reife für Turbo-Gymnasiasten

 Von Peter Hanack
Protest gegen G 8  Foto: dpa

Ein Schüler aus dem Main-Taunus-Kreis wollte die Gleichstellung mit Schülern aus dem herkömmlichen G9-Abitur erreichen - und zog vor den Kadi. Doch vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht scheitert er jetzt mit seiner Klage.

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Volle Stundenpläne, Berge von Lernstoff, viele Hausaufgaben und kaum Freizeit: Das „Turbo-Abitur“ (G8) hat viel Stress in die Schulen und Familien getragen. Doch Jugendliche, die bereits mit dem Ende der verkürzten Mittelstufe das Gymnasium verlassen, sollen weiterhin lediglich den Hauptschulabschluss erhalten – und nicht die mittlere Reife.

Vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht ist jetzt die Klage eines inzwischen 14 Jahre alten G8-Schülers aus dem Main-Taunus-Kreis gescheitert. Er wollte eine Gleichstellung mit Schülern aus der herkömmlichen Gymnasiallaufbahn G9 erreichen. Diese erhalten am Ende der Mittelstufe den mittleren Abschluss. Die Frankfurter Rundschau hatte im August exklusiv über die Klage des Justus Becker (Name geändert) berichtet.

Der Schüler hatte argumentiert, er habe am Ende der Mittelstufe den gleichen Lernstand erreicht wie Schüler in G9. Die aber verlassen die Mittelstufe nach der Klasse 10 mit der mittleren Reife. Justus Becker wollte, dass in seinem Zeugnis der Jahrgangsstufe 9 der Vermerk „gleichgestellt mit dem Realschulabschluss“ angebracht wird. Das Gericht sah dafür keinen Anlass und wies die Klage ab. „Der mittlere Abschluss wird seit jeher erst am Ende der 10. Jahrgangsstufe erreicht“, heißt es zur Begründung in dem Urteil, das der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Die fehlende Klasse

„Seit jeher“ sei keine Rechtsquelle, kritisiert die Wiesbadener Anwältin Sibylle Schwarz, die den Schüler vertritt. Die G8-Reform habe die Lage verändert. Die Idee sei ja, die Gymnasialzeit zu verkürzen, indem die Mittelstufe nur noch fünf statt sechs Jahre lang ist. Im G8-Konzept gebe es demnach keine 10. Jahrgangsstufe mehr – dem Schüler sei es daher unmöglich, diese Jahrgangsstufe zu besuchen.

Das Gericht stützt sich bei seiner Argumentation auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK). Demnach darf es in Deutschland den mittleren Abschluss erst mit Ende der Jahrgangsstufe 10 geben. „Es ist egal, ob jemand in G8 oder G9 die Mittelstufe erfolgreich abgeschlossen hat – er darf damit die Oberstufe besuchen, weil er das dafür nötige Rüstzeug erworben hat“, hält Schwarz dagegen. Der Ausbildungsstand sei offenbar der gleiche. Deshalb müssten beide Schülergruppen auch den gleichen Nachweis erhalten, dass sie ihr Lernpensum erfolgreich bewältigt haben. Andernfalls sei der im Grundgesetz verankerte Grundsatz auf Gleichbehandlung verletzt.

Gegen das Urteil des Frankfurter Gerichts ist Berufung beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel möglich. Beckers Rechtsanwältin Schwarz kündigte an, ihr Mandant beabsichtige, in die nächste Instanz zu gehen.

Keine Lösung in Sicht

Das Kultusministerium hatte im Sommer letzten Jahres angekündigt, sich zum wiederholten Mal für eine Lösung bei der Kultusministerkonferenz der Länder stark zu machen, um die offensichtliche Ungerechtigkeit zu beseitigen. Bislang ist ein Erfolg allerdings nicht in Sicht. Man prüfe weiterhin eine „hessische Lösung“, teilte ein Ministeriumssprecher am Montag auf Anfrage mit. Details nannte er nicht.

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