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Schüler-Wettbewerb von FR und Tigerpalast: Wunderbare Zukunft

Kinder und Jugendliche wünschen sich für ihre Stadt bunte Hochhäuser, fliegende Elektroautos und viel Grün. Von Anita Strecker

Schüler-Beitrag zum Wettbewerb 2030.
Schüler-Beitrag zum Wettbewerb 2030.
Foto: FR/Kraus

Johnny Klinke zuckt überrascht zurück. "Das is' ja cool " entfährt es Steffi Jones leise. Vor ihren Augen fliegen Autos, Pizzaservice und undefinierbare Flugvehikel durch die Luft. Die Frankfurter Skyline ist um ein Vielfaches dichter geworden und bunt. Neue Hochhäuser ragen in knalligen Farben und kurvigen Fantasieformen in die Höhe, Seilbahnen und hängende Straßen verbinden die Türme, auf deren Dächern Wälder und üppige Gärten wuchern. Und unten hat sich das Mainufer in eine mediterranen Strand- und Spiellandschaft verwandelt.

So viel Zukunft auf einmal. Zum schwindelig werden. Zum Augen reiben. Zum begeistert sein. Michael Denkel, Stadtplaner im Büro Albert Speer, sagt es völlig fasziniert wieder und wieder: Das ist ein klarer Auftrag für uns Stadtplaner: Frankfurt 2030.

Wie geht's weiter?

In der Ausgabe vom Mittwoch, 8. Juli, berichtet die Lokalredaktion Frankfurt nicht allein ausführlich über die Vergabe der Preise, die Steffi Jones, die Vorsitzende der Jury, übernehmen wird. An diesem Tag entfaltet die Redaktion vielmehr auch ein umfangreiches Panorama der Werke zu Frankfurt 2030, die in den vergangenen Wochen bei der Lokalredaktion von Frankfurter Schülern abgeliefert wurden.

Über Frankfurt 2030 und einzelne Projekte, die die Zukunft der Stadt bestimmen dürften, legt die Lokalredaktion der FR nach den Sommerferien eine Veranstaltungsreihe auf, die der Frage nachgeht, die sich die malenden Kinder gestellt haben: Wie soll die Stadt sein, in der sie in zwei Jahrzehnten leben wollen?

Von links: Matthias Arning, Michael Denkel, Johnny Klinke, Steffi Jones.
Von links: Matthias Arning, Michael Denkel, Johnny Klinke, Steffi Jones.
Foto: FR/Kraus

Kinder und Jugendliche aus Frankfurt waren gefragt, ihre Zukunftsvisionen von der Stadt, ihre Wünsche und Vorstellungen zu malen, zu modellieren oder zu bauen. Aufgerufen von Tigerpalast und Frankfurter Rundschau. Mehr als 70 Schulklassen ließen sich nicht zweimal bitten. Seit Wochen laufen die großformatigen, knallbunten Stadtvisionen und teils mehrere Meter große Modelle bei der Frankfurter Rundschau ein.

Mehr 1000 Beiträge

Jury-Mitglieder bei der Arbeit.
Jury-Mitglieder bei der Arbeit.
Foto: FR/Kraus

Treffpunkt Zukunft im Depot Sachsenhausen. Schlag 9 Uhr wird es ernst: Steffi Jones, Organisationschefin der Frauen-Fußball-WM, Tigerpalast-Macher Johnny Klinke, Stadtplaner Michael Denkel und Matthias Arning, Leiter der Stadtredaktion, machen sich als Jury daran, die mehr als 1000 Arbeiten aus Grund- und weiterführenden Schulen zu sichten und zu bewerten. Vor allem aber um sich begeistern zu lassen: "Das ist ein Feuerwerk an Ideen", schwärmt Denkel und Klinke ist völlig hin und weg, dass Frankfurts Jugend offenbar weder Angst noch Probleme mit Großstadt hat, dass sie Hochhäuser, Straßenfluchten und vor allem Flugobjekte als völlig natürlich empfinden, sich als Zukunftsvision nur etwas mehr Grün inmitten der Stadt wünschen. "Die Kinder lieben die Stadt mehr, als wir glauben. Es ist toll, wie positiv und völlig angst- und konfliktfrei sie Großstadt in den Bildern schildern."

Aber die Kinder haben noch mehr zu bieten, wovon Erwachsene in ihrer Vorstellungskraft himmelweit entfernt sind: Auch Multikulti und friedliches Zusammenleben ist für die Kinder offenbar das Natürlichste der Welt: So hat etwa die 7b der Anna-Schmidt- Schule eine Kirche und nur ein Haus weiter gleich eine große Moschee mitten in die Stadt gebaut. Interreligiöse Nachbarschaft, die sich wie selbstverständlich in vielen Arbeiten findet. Auch bei den Siebtklässlern der Salzmannschule. Ein Schüler hat eine große Moschee gleich hinter den Römer gemalt, den Römer selbst zum Altenheim erklärt und gleich daneben ein Fitness-Studio gemalt, um die Senioren im Römer mobil zu halten.

Noch eine Vision für Frankfurt 2030.
Noch eine Vision für Frankfurt 2030.
Foto: FR/Kraus

"Klare Vorstellung von Politik"

"Was 'ne Vorstellung." Steilvorlage für Johnny Klinke, der sich prompt mit Modell und Schöpfer fraternisiert. "Die Jugend hat eine klare Vorstellung von Politik."

Distanz halten fällt aber auch den anderen Juroren schwer an diesem Morgen, der verfliegt als seien die Stunden wundersam verkürzt worden. Steffi Jones ist vor allem von den Arbeiten der Jüngsten begeistert: "Die sind voller Fantasie, farbenfroh und richtig gut." Die Kinder haben genaue Zukunftsvorstellungen. "Ich bin 32 Jahre alt und heirate am 15. 6. 2030 und habe Kinder", schreibt der elf Jahre alte Mark aus der 3c der Weißfrauenschule zum Gemeinschaftswerk der zukünftigen Stadt. Montags wird er als Bankleiter arbeiten, dienstags und mittwochs als Zahnarzthelfer und donnerstags und freitags als Apothekenhelfer. Klare Vorstellungen vom professionellen Multitasking, das der Jugend von heute droht, weil ein Job allein nicht mehr zum Leben reichen wird.

Ansonsten allerdings wird die Zukunft wunderbar. Die Hochhäuser werden bunt, wie die neunjährige Kagela nochmals summa summarum festhält. Roboter werden Alltagsverrichtungen erleichtern. Es wird keine armen Leute mehr geben und alle werden genügend Grün und Erholungsoasen direkt vor der Haustür mitten in der Stadt finden.

Ziemlich umweltbewusst

Aber nicht nur Grün liegt den Frankfurterinnen und Frankfurtern der Zukunft am Herzen, sie geben sich auch ziemlich umweltbewusst. Autos sind von den Straßen verbannt, sie fliegen elektrobetrieben durch die Luft. Auf dem Main lassen die Friedrich-List-Schüler Solarboote fahren. Die Mainufer sind grüne Spieloasen und nicht zuletzt malen sich die Erwachsenen in spe auch den Main so sauber, dass man drin schwimmen kann.

Die Uhr schlägt zwölf, die Zukunft ist drei Stunden alt und für die Juroren die wohl schwerste Stunde gekommen: Prämierung der Sieger. Begeisterung und schiere Verzweiflung liegen plötzlich so nah zusammen sie nie. Am Ende fällt aber doch eine Entscheidung verraten wird sie aber erst bei der Preisverleihung am Dienstag, 7. Juli, im Rundschauhaus. Auch, weil es um mehr gehen soll: Weil schließlich alle der jungen Visionäre entscheidende Diskussionsgrundlagen geliefert haben, auf die sich die Stadt und alle beauftragten Stadtplaner gefälligst beziehen sollten, sagt Klinke.

Damit spricht er allen aus den Herzen: "Die Kinder haben mit ihren Arbeiten sehr selbstbewusst gezeigt, dass sie die Zukunft der Stadt sind." Und nicht nur das, findet Matthias Arning: "Mit ihrem sehr detailliertenBlick, haben sie gezeigt, was künftige Stadtentwicklung sein sollte."

Autor:  Anita Strecker
Datum:  1 | 7 | 2009
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