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14. April 2015

Schüsse auf Flüchtlingsheim: Polizei ermittelt in Neonazi-Szene

 Von  und 
53 Asylbewerber sind in der Container-Anlage in Hofheim am Taunus vorübergehend untergebracht.  Foto: dpa

Nach den Schüssen auf das Hofheimer Flüchtlingsheim ermittelt die Polizei in der Neonazi-Szene. In den Tagen vor dem Angriff waren Aufkleber aus der rechtsradikalen Szene auf den Unterkünften der Asylbewerber angebracht worden.

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„Refugees are not welcome, Flüchtlinge sind nicht willkommen“ – Aufkleber mit diesem Slogan aus der rechtsradikalen Szene klebten Ende vergangener Woche auf den Containern, in denen Asylbewerber in Hofheim am Taunus untergebracht sind. Das bestätigte die Polizei gestern auf Anfrage der FR. Grünen-Stadtrat Waldemar Haux hatte die Ermittler auf die fremdenfeindlichen Sticker hingewiesen. Die Aufkleber seien daraufhin von den Beamten entfernt worden, sagte Polizeisprecher Daniel Kalus der FR. Man habe auch Fotos gemacht und Spuren gesichert. Nur Stunden später, in der Nacht zum Samstag, gaben Unbekannte mit einer Luftwaffe neun Schüsse auf das Asylheim ab. Verletzt wurde bei der Attacke niemand. Doch die Kripo ermittelt jetzt wegen Sachbeschädigung – auch in der Neonazi-Szene.

Die Aufkleber, die Unbekannte an die Eingangstür der Asylunterkunft in Hofheim geklebt haben, können im Webshop „Druck 18“ des Thüringer Neonazis Tommy Frenck bestellt werden, zehn Stück kosten einen Euro. Der Name des Anbieters ist dabei schon Programm genug: 18 steht in der rechten Szene für den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets, AH gleich Adolf Hitler.

Frenck ist in einschlägigen Kreisen kein Unbekannter. Das ehemalige NPD-Mitglied sitzt aktuell für das sogenannte Bündnis Zukunft Hildburghausen (BZH) im dortigen Kreistag und betreibt ein Gasthaus im Dorf Kloster Veßra. Dort serviert Tommy Frenck nicht nur frischen Wirsingkraut-Eintopf, sondern veranstaltet auch Konzerte mit rechtsextremen Bands wie der „Lunikoff-Verschwörung“.

Kenntnis von den fremdenfeindlichen Aufklebern auf den Flüchtlingscontainern in Hofheim hatte Ende letzter Woche auch der Main-Taunus-Kreis, wie der E-Mail-Verkehr zwischen einer Mitarbeiterin und Grünen-Politiker Waldemar Haux belegt.

Solche Sticker klebten auf der Asylunterkunft.  Foto: Privat

Der für die Flüchtlingsunterbringung zuständige Kreisbeigeordnete Johannes Baron (FDP) wollte dazu gestern jedoch nichts sagen. Ebenso wenig kommentierte Baron einen Bericht von Waldemar Haux, wonach ein Mann, der möglicherweise im Auftrag des Main-Taunus-Kreises am Freitag vergangener Woche an der Asylbewerberunterkunft einen umgeworfenen Bauzaun aufstellen ließ, „eindeutig fremdenfeindliche Aussagen“ gemacht habe.

Im Main-Taunus-Kreis gebe es aktuell keine aktive rechtsradikale Szene, betonte Polizeisprecher Daniel Kalus. Aufkleber wie jene auf dem Asylheim sowie Sticker anderer Gruppierungen seien häufig rund um Schulen und in Stadtzentren zu finden.

Davidstern mit blutigen Händen

Tatsächlich sind weder NPD noch Republikaner in einem der Kommunalparlamente vertreten und auch sogenannte „Freie Kameradschaften“ sind bislang nicht aufgefallen. Allerdings tauchten vor zwei Jahren in Eschborn schon einmal Aufkleber mit rechtsextremem Inhalt auf; auf einigen war der Davidstern mit blutigen Händen dargestellt. Bei Angriffen auf ein Hofheimer Flüchtlingsheim im Jahr 1991 wurden die Täter ebenfalls in der Neonazi-Szene vermutet.

Eine zügige und umfassende Aufklärung des Vorfalls vom vergangenen Wochenende forderten gestern die Grünen aus Hofheim und dem Main-Taunus-Kreis. Auch der Ausländerbeirat verlangte, notwendige Konsequenzen aus dem Vorfall zu ziehen, „damit Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind, hier ein menschenwürdiges Dasein erfahren können“.

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